Die richtige ʿAqīdah (Glaubenslehre) und was ihr widerspricht
Von Šayḫ ʿAbd al-ʿAzīz ibn ʿAbdillāh ibn Bāz (gest. 1420 n. H.), raḥimahu-ḷḷāh. Aus dem Arabischen übersetzt von Ferhat Abū ʿAbdillāh.
Al-ḥamdu li-llāhi waḥdah, wa-ṣ-ṣalātu wa-s-salāmu ʿalā man lā nabiyya baʿdah, wa ʿalā ālihi wa ṣaḥbih. Ammā baʿd:
Da die richtige ʿaqīdah die Grundlage des dīn (der Religion) des Islām und das Fundament der millah1 ist, hielt ich es für angebracht, sie zum Thema dieses Vortrags zu machen. Aus den Belegen der šarīʿah, aus dem Buch und der sunnah, ist bekannt, dass Taten und Worte nur dann gültig sind und angenommen werden, wenn sie aus einer richtigen ʿaqīdah hervorgehen. Ist die ʿaqīdah nicht richtig, so ist nichtig, was an Taten und Worten aus ihr hervorgeht, wie Er, taʿālā, sagt:
Qurʾān
وَمَن يَكۡفُرۡ بِٱلۡإِيمَٰنِ فَقَدۡ حَبِطَ عَمَلُهُۥ وَهُوَ فِي ٱلۡأٓخِرَةِ مِنَ ٱلۡخَٰسِرِينَ
„Und wer den Glauben verleugnet, dessen Werk wird hinfällig, und im Jenseits gehört er zu den Verlierern.“
Sūrat al-Māʾidah (5:5)
Und Er, taʿālā, sagt:
Qurʾān
وَلَقَدۡ أُوحِيَ إِلَيۡكَ وَإِلَى ٱلَّذِينَ مِن قَبۡلِكَ لَئِنۡ أَشۡرَكۡتَ لَيَحۡبَطَنَّ عَمَلُكَ وَلَتَكُونَنَّ مِنَ ٱلۡخَٰسِرِينَ
„Und dir und denen vor dir ist ja offenbart worden: Wenn du beigesellst, wird dein Werk ganz gewiss hinfällig, und du wirst ganz gewiss zu den Verlierern gehören.“
Sūrat az-Zumar (39:65)
Die Verse mit dieser Bedeutung sind zahlreich. Das deutliche Buch Aḷḷāhs und die sunnah Seines vertrauenswürdigen Gesandten, ʿalayhi min rabbihi afḍalu-ṣ-ṣalāti wa-t-taslīm, zeigen, dass sich die richtige ʿaqīdah zusammenfassen lässt im Glauben an Aḷḷāh, Seine Engel, Seine Bücher, Seine Gesandten, den Jüngsten Tag und an den qadar (die Vorherbestimmung), an das Gute wie an das Schlechte davon. Diese sechs Dinge sind die Grundlagen der richtigen ʿaqīdah, mit denen das mächtige Buch Aḷḷāhs herabgesandt wurde und mit denen Aḷḷāh Seinen Gesandten Muḥammad, ʿalayhi-ṣ-ṣalātu wa-s-salām, entsandt hat. Aus diesen Grundlagen geht alles hervor, woran man von den Dingen des Verborgenen glauben muss, und alles, worüber Aḷḷāh und Sein Gesandter, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, berichtet haben. Die Belege für diese sechs Grundlagen im Buch und in der sunnah sind sehr zahlreich. Dazu gehört Sein Wort, subḥānahu:
Qurʾān
لَّيۡسَ ٱلۡبِرَّ أَن تُوَلُّواْ وُجُوهَكُمۡ قِبَلَ ٱلۡمَشۡرِقِ وَٱلۡمَغۡرِبِ وَلَٰكِنَّ ٱلۡبِرَّ مَنۡ ءَامَنَ بِٱللَّهِ وَٱلۡيَوۡمِ ٱلۡأٓخِرِ وَٱلۡمَلَٰٓئِكَةِ وَٱلۡكِتَٰبِ وَٱلنَّبِيِّـۧنَ
„Nicht darin besteht die Frömmigkeit, dass ihr eure Gesichter nach Osten oder Westen wendet; fromm ist vielmehr, wer an Aḷḷāh glaubt, an den Jüngsten Tag, die Engel, die Schrift und die Propheten.“
Sūrat al-Baqarah (2:177)
und Sein Wort, subḥānahu:
Qurʾān
ءَامَنَ ٱلرَّسُولُ بِمَآ أُنزِلَ إِلَيۡهِ مِن رَّبِّهِۦ وَٱلۡمُؤۡمِنُونَۚ كُلٌّ ءَامَنَ بِٱللَّهِ وَمَلَٰٓئِكَتِهِۦ وَكُتُبِهِۦ وَرُسُلِهِۦ لَا نُفَرِّقُ بَيۡنَ أَحَدٖ مِّن رُّسُلِهِۦۚ
„Der Gesandte glaubt an das, was zu ihm von seinem Herrn herabgesandt worden ist, und ebenso die Gläubigen; alle glauben an Aḷḷāh, Seine Engel, Seine Bücher und Seine Gesandten. Wir machen bei keinem von Seinen Gesandten einen Unterschied.“
Sūrat al-Baqarah (2:285)
bis zum Ende der Āyah, und Sein Wort, subḥānahu:
Qurʾān
يَٰٓأَيُّهَا ٱلَّذِينَ ءَامَنُوٓاْ ءَامِنُواْ بِٱللَّهِ وَرَسُولِهِۦ وَٱلۡكِتَٰبِ ٱلَّذِي نَزَّلَ عَلَىٰ رَسُولِهِۦ وَٱلۡكِتَٰبِ ٱلَّذِيٓ أَنزَلَ مِن قَبۡلُۚ وَمَن يَكۡفُرۡ بِٱللَّهِ وَمَلَٰٓئِكَتِهِۦ وَكُتُبِهِۦ وَرُسُلِهِۦ وَٱلۡيَوۡمِ ٱلۡأٓخِرِ فَقَدۡ ضَلَّ ضَلَٰلَۢا بَعِيدًا
„O die ihr glaubt, glaubt an Aḷḷāh und Seinen Gesandten, an das Buch, das Er Seinem Gesandten offenbart hat, und an die Schrift, die Er zuvor herabgesandt hat. Wer Aḷḷāh, Seine Engel, Seine Bücher, Seine Gesandten und den Jüngsten Tag verleugnet, der ist gewiss weit abgeirrt.“
Sūrat an-Nisāʾ (4:136)
und Sein Wort, subḥānahu:
Qurʾān
أَلَمۡ تَعۡلَمۡ أَنَّ ٱللَّهَ يَعۡلَمُ مَا فِي ٱلسَّمَآءِ وَٱلۡأَرۡضِۚ إِنَّ ذَٰلِكَ فِي كِتَٰبٍۚ إِنَّ ذَٰلِكَ عَلَى ٱللَّهِ يَسِيرٞ
„Weißt du denn nicht, dass Aḷḷāh weiß, was im Himmel und auf der Erde ist? Gewiss, das steht in einem Buch; gewiss, das ist für Aḷḷāh ein Leichtes.“
Sūrat al-Ḥaǧǧ (22:70)
Was die authentischen aḥādīṯ betrifft, die auf diese Grundlagen hinweisen, so sind sie sehr zahlreich. Dazu gehört der bekannte authentische ḥadīṯ, den Muslim (gest. 261 n. H.) in seinem Ṣaḥīḥ vom Amīr al-Muʾminīn (Befehlshaber der Gläubigen) ʿUmar ibn al-Ḫaṭṭāb, raḍiya-ḷḷāhu ʿanhu, überliefert, dass Ǧibrīl, ʿalayhi-s-salām, den Propheten, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, nach dem Glauben fragte und dieser ihm sagte:
Ḥadīṯ
«الْإِيمَانُ أَنْ تُؤْمِنَ بِاللَّهِ وَمَلَائِكَتِهِ وَكُتُبِهِ وَرُسُلِهِ وَالْيَوْمِ الْآخِرِ، وَتُؤْمِنَ بِالْقَدَرِ خَيْرِهِ وَشَرِّهِ»
„Der Glaube ist, dass du an Aḷḷāh glaubst, an Seine Engel, Seine Bücher, Seine Gesandten und den Jüngsten Tag, und dass du an den qadar glaubst, an das Gute wie an das Schlechte davon“, bis zum Ende des ḥadīṯ.
Al-Buḫārī (gest. 256 n. H.) und Muslim überliefern ihn mit geringfügigen Abweichungen auch von Abū Hurayrah.2 Aus diesen sechs Grundlagen geht alles hervor, was der Muslim in Bezug auf Aḷḷāh, subḥānahu, den maʿād (die Rückkehr zu Aḷḷāh im Jenseits) und andere Dinge des Verborgenen glauben muss.
Zum Glauben an Aḷḷāh, subḥānahu, gehört der Glaube daran, dass Er der wahre Gott ist, der allein und unter Ausschluss alles anderen der Anbetung würdig ist, weil Er der Schöpfer der Diener ist, der ihnen Gutes erweist, für ihre Versorgung sorgt, ihr Verborgenes und ihr Offenkundiges kennt und die Macht hat, die Gehorsamen unter ihnen zu belohnen und die Ungehorsamen zu bestrafen. Für diese Anbetung hat Aḷḷāh aṯ-ṯaqalān (die ǧinn und die Menschen)3 erschaffen und sie ihnen befohlen, wie Er, taʿālā, sagt:
Qurʾān
وَمَا خَلَقۡتُ ٱلۡجِنَّ وَٱلۡإِنسَ إِلَّا لِيَعۡبُدُونِ ٥٦ مَآ أُرِيدُ مِنۡهُم مِّن رِّزۡقٖ وَمَآ أُرِيدُ أَن يُطۡعِمُونِ ٥٧ إِنَّ ٱللَّهَ هُوَ ٱلرَّزَّاقُ ذُو ٱلۡقُوَّةِ ٱلۡمَتِينُ
„Und Ich habe die ǧinn und die Menschen nur dazu erschaffen, dass sie Mich anbeten. Ich will von ihnen keinerlei Versorgung, und Ich will nicht, dass sie Mich speisen. Gewiss, Aḷḷāh ist der Versorger, der Besitzer der Kraft, der Feste.“
Sūrat aḏ-Ḏāriyāt (51:56–58)
Und Er, taʿālā, sagt:
Qurʾān
يَٰٓأَيُّهَا ٱلنَّاسُ ٱعۡبُدُواْ رَبَّكُمُ ٱلَّذِي خَلَقَكُمۡ وَٱلَّذِينَ مِن قَبۡلِكُمۡ لَعَلَّكُمۡ تَتَّقُونَ ٢١ ٱلَّذِي جَعَلَ لَكُمُ ٱلۡأَرۡضَ فِرَٰشٗا وَٱلسَّمَآءَ بِنَآءٗ وَأَنزَلَ مِنَ ٱلسَّمَآءِ مَآءٗ فَأَخۡرَجَ بِهِۦ مِنَ ٱلثَّمَرَٰتِ رِزۡقٗا لَّكُمۡۖ فَلَا تَجۡعَلُواْ لِلَّهِ أَندَادٗا وَأَنتُمۡ تَعۡلَمُونَ
„O ihr Menschen, betet euren Herrn an, der euch und diejenigen vor euch erschaffen hat, damit ihr gottesfürchtig werdet; der euch die Erde zu einem Ruheplatz ausgebreitet und den Himmel zu einem Gebäude gemacht hat und vom Himmel Wasser herabkommen lässt, durch das Er für euch Früchte als Versorgung hervorbringt. So stellt Aḷḷāh keine Ebenbürtigen zur Seite, wo ihr es doch wisst.“
Sūrat al-Baqarah (2:21–22)
Gewiss, Aḷḷāh hat die Gesandten geschickt und die Bücher herabgesandt, um diese Wahrheit darzulegen, zu ihr aufzurufen und vor dem zu warnen, was ihr widerspricht, wie Er, subḥānahu, sagt:
Qurʾān
وَلَقَدۡ بَعَثۡنَا فِي كُلِّ أُمَّةٖ رَّسُولًا أَنِ ٱعۡبُدُواْ ٱللَّهَ وَٱجۡتَنِبُواْ ٱلطَّٰغُوتَۖ
„Und Wir haben ja bereits in jeder Gemeinschaft einen Gesandten erweckt: ‚Betet Aḷḷāh an und meidet die falschen Götter!‘“
Sūrat an-Naḥl (16:36)
Und Er, taʿālā, sagt:
Qurʾān
وَمَآ أَرۡسَلۡنَا مِن قَبۡلِكَ مِن رَّسُولٍ إِلَّا نُوحِيٓ إِلَيۡهِ أَنَّهُۥ لَآ إِلَٰهَ إِلَّآ أَنَا۠ فَٱعۡبُدُونِ
„Und Wir haben vor dir keinen Gesandten gesandt, dem Wir nicht eingegeben hätten: ‚Es gibt keinen Gott außer Mir, so betet Mich an!‘“
Sūrat al-Anbiyāʾ (21:25)
Und Er, ʿazza wa ǧalla, sagt:
Qurʾān
كِتَٰبٌ أُحۡكِمَتۡ ءَايَٰتُهُۥ ثُمَّ فُصِّلَتۡ مِن لَّدُنۡ حَكِيمٍ خَبِيرٍ ١ أَلَّا تَعۡبُدُوٓاْ إِلَّا ٱللَّهَۚ إِنَّنِي لَكُم مِّنۡهُ نَذِيرٞ وَبَشِيرٞ
„Ein Buch, dessen Verse eindeutig festgefügt und dann ausführlich dargelegt sind, von einem Allweisen und Allkundigen: Ihr sollt nur Aḷḷāh anbeten. Gewiss, ich bin euch von Ihm ein Warner und ein Frohbote.“
Sūrat Hūd (11:1–2)
Das Wesen dieser Anbetung besteht darin, Aḷḷāh, subḥānahu, allein all das zukommen zu lassen, womit die Diener Ihn anbeten: Bittgebet, Furcht, Hoffnung, Gebet, Fasten, Schlachtopfer, Gelübde und die übrigen Arten der Anbetung, in Unterwerfung unter Ihn, in Begehren und Ehrfurcht, verbunden mit vollkommener Liebe zu Ihm, subḥānahu, und Demut vor Seiner Größe. Der größte Teil des edlen Qurʾān wurde zu dieser gewaltigen Grundlage herabgesandt, wie Sein Wort, subḥānahu:
Qurʾān
فَٱعۡبُدِ ٱللَّهَ مُخۡلِصٗا لَّهُ ٱلدِّينَ ٢ أَلَا لِلَّهِ ٱلدِّينُ ٱلۡخَالِصُۚ
„So bete Aḷḷāh an, indem du Ihm gegenüber aufrichtig in der Religion bist. Sicherlich, Aḷḷāh gehört die aufrichtige Religion.“
Sūrat az-Zumar (39:2–3)
und Sein Wort, subḥānahu:
Qurʾān
وَقَضَىٰ رَبُّكَ أَلَّا تَعۡبُدُوٓاْ إِلَّآ إِيَّاهُ
„Und dein Herr hat bestimmt, dass ihr nur Ihn anbeten sollt.“
Sūrat al-Isrāʾ (17:23)
und Sein Wort, ʿazza wa ǧalla:
Qurʾān
فَٱدۡعُواْ ٱللَّهَ مُخۡلِصِينَ لَهُ ٱلدِّينَ وَلَوۡ كَرِهَ ٱلۡكَٰفِرُونَ
„So ruft Aḷḷāh an, indem ihr Ihm gegenüber aufrichtig in der Religion seid, auch wenn es den Ungläubigen zuwider ist.“
Sūrat Ġāfir (40:14)
In den beiden Ṣaḥīḥ-Werken wird von Muʿāḏ, raḍiya-ḷḷāhu ʿanhu, überliefert, dass der Prophet, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, sagte:
Ḥadīṯ
«حَقُّ اللَّهِ عَلَى الْعِبَادِ أَنْ يَعْبُدُوهُ وَلَا يُشْرِكُوا بِهِ شَيْئًا»
„Das Recht Aḷḷāhs gegenüber den Dienern ist, dass sie Ihn anbeten und Ihm nichts beigesellen.“4
Zum Glauben an Aḷḷāh gehört auch der Glaube an alles, was Er Seinen Dienern zur Pflicht gemacht und ihnen auferlegt hat: die fünf offenkundigen Säulen des Islām, nämlich das Bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Aḷḷāh und dass Muḥammad der Gesandte Aḷḷāhs ist, das Verrichten des Gebets, das Entrichten der zakāh, das Fasten im Ramaḍān und die Pilgerfahrt zum geschützten Haus Aḷḷāhs für den, der dazu in der Lage ist, sowie die übrigen Pflichten, die die reine šarīʿah gebracht hat. Die wichtigste und gewaltigste dieser Säulen ist das Bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Aḷḷāh und dass Muḥammad der Gesandte Aḷḷāhs ist. Das Bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Aḷḷāh, verlangt, die Anbetung Aḷḷāh allein aufrichtig zukommen zu lassen und sie allem anderen abzusprechen. Das ist die Bedeutung von lā ilāha illa-ḷḷāh; denn sie bedeutet: Es gibt keinen in Wahrheit Angebeteten außer Aḷḷāh. Alles, was außer Aḷḷāh angebetet wird, ob Mensch, Engel, ǧinn oder anderes, wird zu Unrecht angebetet, und der in Wahrheit Angebetete ist Aḷḷāh allein, wie Er, subḥānahu, sagt:
Qurʾān
ذَٰلِكَ بِأَنَّ ٱللَّهَ هُوَ ٱلۡحَقُّ وَأَنَّ مَا يَدۡعُونَ مِن دُونِهِۦ هُوَ ٱلۡبَٰطِلُ
„Dies, weil Aḷḷāh die Wahrheit ist und weil das, was sie außer Ihm anrufen, das Falsche ist.“
Sūrat al-Ḥaǧǧ (22:62)
Es wurde bereits dargelegt, dass Aḷḷāh, subḥānahu, aṯ-ṯaqalān für diese fest verwurzelte Grundlage erschaffen und sie ihnen befohlen hat, dass Er mit ihr Seine Gesandten geschickt und mit ihr Seine Bücher herabgesandt hat. Denke gründlich darüber nach und bedenke es eingehend, damit dir deutlich wird, in welch gewaltige Unwissenheit über diese fest verwurzelte Grundlage die meisten Muslime geraten sind, sodass sie neben Aḷḷāh anderes anbeten und Sein reines Recht anderen zukommen lassen. Aḷḷāh ist es, bei dem Hilfe gesucht wird.
Zum Glauben an Aḷḷāh, subḥānahu, gehört der Glaube daran, dass Er der Schöpfer der Welt ist, ihre Angelegenheiten lenkt und mit Seinem Wissen und Seiner Macht über sie verfügt, wie Er, subḥānahu, will; dass Er der Herrscher über das Diesseits und das Jenseits und der Herr aller Welten ist, dass es keinen Schöpfer außer Ihm und keinen Herrn neben Ihm gibt; dass Er die Gesandten geschickt und die Bücher herabgesandt hat, um die Diener zu bessern und sie zu dem aufzurufen, worin ihre Rettung und ihr Wohl im Diesseits und im Jenseits liegen; und dass Er, subḥānahu, in all dem keinen Teilhaber hat. Er, taʿālā, sagt:
Qurʾān
ٱللَّهُ خَٰلِقُ كُلِّ شَيۡءٖۖ وَهُوَ عَلَىٰ كُلِّ شَيۡءٖ وَكِيلٞ
„Aḷḷāh ist der Schöpfer von allem, und Er ist Sachwalter über alles.“
Sūrat az-Zumar (39:62)
Und Er, taʿālā, sagt:
Qurʾān
إِنَّ رَبَّكُمُ ٱللَّهُ ٱلَّذِي خَلَقَ ٱلسَّمَٰوَٰتِ وَٱلۡأَرۡضَ فِي سِتَّةِ أَيَّامٖ ثُمَّ ٱسۡتَوَىٰ عَلَى ٱلۡعَرۡشِۖ يُغۡشِي ٱلَّيۡلَ ٱلنَّهَارَ يَطۡلُبُهُۥ حَثِيثٗا وَٱلشَّمۡسَ وَٱلۡقَمَرَ وَٱلنُّجُومَ مُسَخَّرَٰتِۭ بِأَمۡرِهِۦٓۗ أَلَا لَهُ ٱلۡخَلۡقُ وَٱلۡأَمۡرُۗ تَبَارَكَ ٱللَّهُ رَبُّ ٱلۡعَٰلَمِينَ
„Gewiss, euer Herr ist Aḷḷāh, der die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschuf und Sich hierauf über den Thron erhob. Er lässt die Nacht den Tag überdecken, wobei sie ihn eilends verfolgt; und Er erschuf die Sonne, den Mond und die Sterne, die durch Seinen Befehl dienstbar gemacht sind. Sicherlich, Sein ist die Schöpfung und der Befehl. Segensreich ist Aḷḷāh, der Herr der Welten.“
Sūrat al-Aʿrāf (7:54)
Zum Glauben an Aḷḷāh gehört auch der Glaube an Seine schönsten Namen und erhabenen Eigenschaften, die in Seinem mächtigen Buch vorkommen und von Seinem vertrauenswürdigen Gesandten gesichert überliefert sind, ohne taḥrīf (Verfälschung), ohne taʿṭīl (Leugnung), ohne takyīf (Bestimmung des Wie) und ohne tamṯīl (Gleichsetzung). Vielmehr müssen sie so belassen werden, wie sie gekommen sind, ohne Wie, verbunden mit dem Glauben an die gewaltigen Bedeutungen, auf die sie hinweisen. Diese sind Eigenschaften Aḷḷāhs, ʿazza wa ǧalla, mit denen Er auf die Ihm angemessene Weise beschrieben werden muss, ohne dass Er in irgendeiner Seiner Eigenschaften Seiner Schöpfung gleicht, wie Er, taʿālā, sagt:
Qurʾān
لَيۡسَ كَمِثۡلِهِۦ شَيۡءٞۖ وَهُوَ ٱلسَّمِيعُ ٱلۡبَصِيرُ
„Nichts ist Ihm gleich; und Er ist der Allhörende, der Allsehende.“
Sūrat aš-Šūrā (42:11)
Und Er, ʿazza wa ǧalla, sagt:
Qurʾān
فَلَا تَضۡرِبُواْ لِلَّهِ ٱلۡأَمۡثَالَۚ إِنَّ ٱللَّهَ يَعۡلَمُ وَأَنتُمۡ لَا تَعۡلَمُونَ
„So prägt für Aḷḷāh keine Gleichnisse! Gewiss, Aḷḷāh weiß, ihr aber wisst nicht.“
Sūrat an-Naḥl (16:74)
Dies ist die ʿaqīdah der Ahl as-Sunnah wa-l-Ǧamāʿah, der Gefährten des Gesandten Aḷḷāhs, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, und derer, die ihnen auf die beste Weise folgten. Sie ist es, die Imām Abū l-Ḥasan al-Ašʿarī (gest. 324 n. H.)5, raḥimahu-ḷḷāh, in seinem Buch al-Maqālāt6 von den Leuten des ḥadīṯ und den Leuten der sunnah überliefert hat, und auch andere Leute des Wissens und des Glaubens haben sie überliefert.
Al-Auzāʿī (gest. 157 n. H.), raḥimahu-ḷḷāh, sagte:
Al-Auzāʿī
سُئِلَ الزُّهْرِيُّ وَمَكْحُولٌ عَنْ آيَاتِ الصِّفَاتِ، فَقَالَا: أَمِرُّوهَا كَمَا جَاءَتْ
„Az-Zuhrī [gest. 124 n. H.] und Makḥūl [gest. 112 n. H.] wurden nach den Versen über die Eigenschaften gefragt, und sie sagten: ‚Belasst sie so, wie sie gekommen sind.‘“
Al-Walīd ibn Muslim (gest. 195 n. H.), raḥimahu-ḷḷāh, sagte:
Al-Walīd ibn Muslim
سُئِلَ مَالِكٌ وَالْأَوْزَاعِيُّ وَاللَّيْثُ بْنُ سَعْدٍ وَسُفْيَانُ الثَّوْرِيُّ عَنِ الْأَخْبَارِ الْوَارِدَةِ فِي الصِّفَاتِ، فَقَالُوا جَمِيعًا: أَمِرُّوهَا كَمَا جَاءَتْ بِلَا كَيْفٍ
„Mālik [gest. 179 n. H.], al-Auzāʿī, al-Layṯ ibn Saʿd [gest. 175 n. H.] und Sufyān aṯ-Ṯaurī [gest. 161 n. H.], raḥimahumu-ḷḷāh, wurden nach den Überlieferungen über die Eigenschaften gefragt, und sie sagten alle: ‚Belasst sie so, wie sie gekommen sind, ohne Wie.‘“
Al-Auzāʿī, raḥimahu-ḷḷāh, sagte:
Al-Auzāʿī
كُنَّا وَالتَّابِعُونَ مُتَوَافِرُونَ نَقُولُ: إِنَّ اللَّهَ سُبْحَانَهُ عَلَى عَرْشِهِ، وَنُؤْمِنُ بِمَا وَرَدَ فِي السُّنَّةِ مِنَ الصِّفَاتِ
„Wir pflegten, als die tābiʿūn (Nachfolger) noch zahlreich waren, zu sagen: Aḷḷāh, subḥānahu, ist über Seinem Thron, und wir glauben an die Eigenschaften, die in der sunnah vorkommen.“
Als Rabīʿah ibn Abī ʿAbd ar-Raḥmān (gest. 136 n. H.), der Lehrer Māliks, raḥmatu-ḷḷāhi ʿalayhimā, nach dem istiwāʾ (dem Sich-Erheben Aḷḷāhs über den Thron) gefragt wurde, sagte er:
Rabīʿah ibn Abī ʿAbd ar-Raḥmān
الِاسْتِوَاءُ غَيْرُ مَجْهُولٍ، وَالْكَيْفُ غَيْرُ مَعْقُولٍ، وَمِنَ اللَّهِ الرِّسَالَةُ، وَعَلَى الرَّسُولِ الْبَلَاغُ الْمُبِينُ، وَعَلَيْنَا التَّصْدِيقُ
„Das istiwāʾ ist nicht unbekannt, das Wie ist mit dem Verstand nicht erfassbar; von Aḷḷāh kommt die Botschaft, dem Gesandten obliegt die deutliche Übermittlung, und uns obliegt es, sie für wahr zu halten.“
Und als Imām Mālik, raḥimahu-ḷḷāh, danach gefragt wurde, sagte er:
Mālik ibn Anas
الِاسْتِوَاءُ مَعْلُومٌ، وَالْكَيْفُ مَجْهُولٌ، وَالْإِيمَانُ بِهِ وَاجِبٌ، وَالسُّؤَالُ عَنْهُ بِدْعَةٌ. ثُمَّ قَالَ لِلسَّائِلِ: مَا أَرَاكَ إِلَّا رَجُلَ سَوْءٍ
„Das istiwāʾ ist bekannt, das Wie ist unbekannt, der Glaube daran ist Pflicht, und die Frage danach ist eine bidʿah (Neuerung).“ Dann sagte er zum Fragenden: „Ich halte dich für nichts anderes als einen üblen Menschen“, und ließ ihn hinausbringen.7
Diese Bedeutung wird auch von der Mutter der Gläubigen Umm Salamah, raḍiya-ḷḷāhu ʿanhā, überliefert. Imām Abū ʿAbd ar-Raḥmān ʿAbduḷḷāh ibn al-Mubārak (gest. 181 n. H.), raḥmatu-ḷḷāhi ʿalayh, sagte:
ʿAbduḷḷāh ibn al-Mubārak
نَعْرِفُ رَبَّنَا سُبْحَانَهُ بِأَنَّهُ فَوْقَ سَمَاوَاتِهِ عَلَى عَرْشِهِ، بَائِنٌ مِنْ خَلْقِهِ
„Wir kennen unseren Herrn, subḥānahu, so, dass Er oberhalb Seiner Himmel über Seinem Thron ist, getrennt von Seiner Schöpfung.“
Die Aussagen der Imame zu diesem Thema sind sehr zahlreich und können in diesem Vortrag nicht wiedergegeben werden. Wer viel davon kennenlernen möchte, der schlage nach, was die Gelehrten der sunnah dazu geschrieben haben, etwa das Buch as-Sunnah von ʿAbduḷḷāh (gest. 290 n. H.), dem Sohn des Imām Aḥmad, at-Tauḥīd des großen Imām Muḥammad ibn Ḫuzaymah (gest. 311 n. H.), das Buch as-Sunnah von Abū l-Qāsim al-Lālakāʾī aṭ-Ṭabarī (gest. 418 n. H.)8, das Buch as-Sunnah von Abū Bakr ibn Abī ʿĀṣim (gest. 287 n. H.) und die Antwort von Šayḫ al-Islām Ibn Taymiyyah an die Leute von Ḥamāh.9 Das ist eine gewaltige Antwort von großem Nutzen, in der er, raḥimahu-ḷḷāh, die ʿaqīdah der Ahl as-Sunnah klar dargelegt und vieles von ihren Aussagen angeführt hat, dazu die Belege der šarīʿah und die rationalen Belege für die Richtigkeit dessen, was die Ahl as-Sunnah sagen, und für die Nichtigkeit dessen, was ihre Gegner sagen. Ebenso seine Abhandlung mit dem Titel at-Tadmuriyyah, in der er das Thema ausführlich behandelt, die ʿaqīdah der Ahl as-Sunnah mit ihren überlieferten und rationalen Belegen dargelegt und die Gegner auf eine Weise widerlegt hat, die die Wahrheit offenkundig macht und das Falsche zerschmettert, für jeden Gelehrten, der dies mit guter Absicht und mit dem Wunsch betrachtet, die Wahrheit zu erkennen. Jeder, der den Ahl as-Sunnah in dem widerspricht, was sie über die Namen und Eigenschaften glauben, gerät unweigerlich in Widerspruch zu den überlieferten und rationalen Belegen, verbunden mit einem offenkundigen Selbstwiderspruch in allem, was er bestätigt und verneint.
Die Ahl as-Sunnah wa-l-Ǧamāʿah hingegen haben für Aḷḷāh, subḥānahu, das bestätigt, was Er Sich Selbst in Seinem edlen Buch bestätigt hat oder was Sein Gesandter Muḥammad, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, Ihm in seiner sunnah bestätigt hat: eine Bestätigung ohne tamṯīl. Und sie haben Ihn, subḥānahu, davon freigesprochen, Seiner Schöpfung zu gleichen: eine Freisprechung, die frei von taʿṭīl ist. So blieben sie vor dem Selbstwiderspruch bewahrt und handelten nach allen Belegen. Das ist die Gesetzmäßigkeit Aḷḷāhs, subḥānahu, hinsichtlich dessen, der an der Wahrheit festhält, mit der Er Seine Gesandten entsandt hat, dafür all seine Kraft aufbietet und bei der Suche nach ihr Aufrichtigkeit gegenüber Aḷḷāh walten lässt: dass Er ihm Gelingen zur Wahrheit schenkt und seinen Beweis offenbar werden lässt, wie Er, taʿālā, sagt:
Qurʾān
بَلۡ نَقۡذِفُ بِٱلۡحَقِّ عَلَى ٱلۡبَٰطِلِ فَيَدۡمَغُهُۥ فَإِذَا هُوَ زَاهِقٞۚ
„Nein! Vielmehr schleudern Wir die Wahrheit gegen das Falsche, und so zerschmettert sie es, und sogleich geht es dahin.“
Sūrat al-Anbiyāʾ (21:18)
Und Er, taʿālā, sagt:
Qurʾān
وَلَا يَأۡتُونَكَ بِمَثَلٍ إِلَّا جِئۡنَٰكَ بِٱلۡحَقِّ وَأَحۡسَنَ تَفۡسِيرًا
„Und sie bringen dir kein Beispiel, ohne dass Wir dir die Wahrheit und eine bessere Erklärung brächten.“
Sūrat al-Furqān (25:33)
Al-Ḥāfiẓ Ibn Kaṯīr, raḥimahu-ḷḷāh, äußerte sich in seinem bekannten tafsīr bei der Erläuterung des Wortes Aḷḷāhs, ʿazza wa ǧalla:
Qurʾān
إِنَّ رَبَّكُمُ ٱللَّهُ ٱلَّذِي خَلَقَ ٱلسَّمَٰوَٰتِ وَٱلۡأَرۡضَ فِي سِتَّةِ أَيَّامٖ ثُمَّ ٱسۡتَوَىٰ عَلَى ٱلۡعَرۡشِۖ
„Gewiss, euer Herr ist Aḷḷāh, der die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschuf und Sich hierauf über den Thron erhob.“
Sūrat al-Aʿrāf (7:54)
bis zum Ende der Āyah, mit schönen Worten zu diesem Thema, die wegen ihres großen Nutzens hier angeführt werden sollen. Er, raḥimahu-ḷḷāh, sagte wörtlich:
Ibn Kaṯīr
لِلنَّاسِ فِي هَذَا الْمَقَامِ مَقَالَاتٌ كَثِيرَةٌ جِدًّا، لَيْسَ هَذَا مَوْضِعَ بَسْطِهَا، وَإِنَّمَا نَسْلُكُ فِي هَذَا الْمَقَامِ مَذْهَبَ السَّلَفِ الصَّالِحِ: مَالِكٍ وَالْأَوْزَاعِيِّ وَالثَّوْرِيِّ وَاللَّيْثِ بْنِ سَعْدٍ وَالشَّافِعِيِّ وَأَحْمَدَ وَإِسْحَاقَ بْنِ رَاهَوَيْهِ وَغَيْرِهِمْ مِنْ أَئِمَّةِ الْمُسْلِمِينَ قَدِيمًا وَحَدِيثًا، وَهُوَ إِمْرَارُهَا كَمَا جَاءَتْ مِنْ غَيْرِ تَكْيِيفٍ وَلَا تَشْبِيهٍ وَلَا تَعْطِيلٍ، وَالظَّاهِرُ الْمُتَبَادِرُ إِلَى أَذْهَانِ الْمُشَبِّهِينَ مَنْفِيٌّ عَنِ اللَّهِ، فَإِنَّ اللَّهَ لَا يُشْبِهُهُ شَيْءٌ مِنْ خَلْقِهِ، وَ﴿لَيْسَ كَمِثْلِهِ شَيْءٌ وَهُوَ السَّمِيعُ الْبَصِيرُ﴾، بَلِ الْأَمْرُ كَمَا قَالَ الْأَئِمَّةُ، مِنْهُمْ نُعَيْمُ بْنُ حَمَّادٍ الْخُزَاعِيُّ شَيْخُ الْبُخَارِيِّ، قَالَ: «مَنْ شَبَّهَ اللَّهَ بِخَلْقِهِ كَفَرَ، وَمَنْ جَحَدَ مَا وَصَفَ اللَّهُ بِهِ نَفْسَهُ فَقَدْ كَفَرَ، وَلَيْسَ فِيمَا وَصَفَ اللَّهُ بِهِ نَفْسَهُ وَلَا رَسُولُهُ تَشْبِيهٌ، فَمَنْ أَثْبَتَ لِلَّهِ تَعَالَى مَا وَرَدَتْ بِهِ الْآيَاتُ الصَّرِيحَةُ وَالْأَخْبَارُ الصَّحِيحَةُ عَلَى الْوَجْهِ الَّذِي يَلِيقُ بِجَلَالِ اللَّهِ، وَنَفَى عَنِ اللَّهِ تَعَالَى النَّقَائِصَ، فَقَدْ سَلَكَ سَبِيلَ الْهُدَى»
„Zu diesem Punkt haben die Leute sehr viele Lehrmeinungen, die auszubreiten hier nicht der Ort ist. Wir gehen in dieser Frage vielmehr den Weg von as-salaf aṣ-ṣāliḥ (den rechtschaffenen Altvorderen): Mālik, al-Auzāʿī, aṯ-Ṯaurī, al-Layṯ ibn Saʿd, aš-Šāfiʿī [gest. 204 n. H.], Aḥmad, Isḥāq ibn Rāhawayh [gest. 238 n. H.] und anderer Imame der Muslime, früher wie später. Er besteht darin, sie so zu belassen, wie sie gekommen sind, ohne takyīf, ohne tašbīh (Vergleich) und ohne taʿṭīl. Die äußere Bedeutung, die sich denen aufdrängt, die Aḷḷāh mit der Schöpfung vergleichen, ist in Bezug auf Aḷḷāh ausgeschlossen; denn nichts von Seiner Schöpfung gleicht Aḷḷāh, und ‚nichts ist Ihm gleich; und Er ist der Allhörende, der Allsehende‘. Vielmehr verhält es sich so, wie die Imame gesagt haben, unter ihnen Nuʿaym ibn Ḥammād al-Ḫuzāʿī [gest. 228 n. H.], der Lehrer al-Buḫārīs; er sagte: ‚Wer Aḷḷāh mit Seiner Schöpfung vergleicht, ist ungläubig geworden, und wer leugnet, womit Aḷḷāh Sich Selbst beschrieben hat, ist ungläubig geworden. In dem, womit Aḷḷāh Sich Selbst und womit Sein Gesandter Ihn beschrieben hat, liegt kein tašbīh. Wer also in Bezug auf Aḷḷāh, taʿālā, das bestätigt, was die eindeutigen Verse und die authentischen Überlieferungen bringen, auf die Weise, die der Majestät Aḷḷāhs angemessen ist, und Aḷḷāh, taʿālā, alle Mängel abspricht, der ist den Weg der Rechtleitung gegangen.‘“10
Hier endet das Wort Ibn Kaṯīrs, raḥimahu-ḷḷāh.
Der Glaube an die Engel umfasst den Glauben an sie im Allgemeinen und im Einzelnen. Der Muslim glaubt, dass Aḷḷāh Engel hat, die Er zu Seinem Gehorsam erschaffen hat und die Er beschrieben hat als:
Qurʾān
عِبَادٞ مُّكۡرَمُونَ ٢٦ لَا يَسۡبِقُونَهُۥ بِٱلۡقَوۡلِ وَهُم بِأَمۡرِهِۦ يَعۡمَلُونَ ٢٧ يَعۡلَمُ مَا بَيۡنَ أَيۡدِيهِمۡ وَمَا خَلۡفَهُمۡ وَلَا يَشۡفَعُونَ إِلَّا لِمَنِ ٱرۡتَضَىٰ وَهُم مِّنۡ خَشۡيَتِهِۦ مُشۡفِقُونَ
„geehrte Diener. Sie kommen Ihm im Reden nicht zuvor, und nur nach Seinem Befehl handeln sie. Er weiß, was vor ihnen und was hinter ihnen liegt, und sie legen keine Fürsprache ein außer für den, mit dem Er zufrieden ist, und sie sind aus Furcht vor Ihm besorgt.“
Sūrat al-Anbiyāʾ (21:26–28)
Sie sind von vielerlei Art: Unter ihnen sind die, die mit dem Tragen des Thrones beauftragt sind, die Wächter des Paradieses und des Höllenfeuers sowie die, die damit beauftragt sind, die Taten der Diener festzuhalten. Im Einzelnen glauben wir an diejenigen von ihnen, die Aḷḷāh und Sein Gesandter mit Namen genannt haben, wie Ǧibrīl, Mīkāʾīl, Mālik, den Wächter des Höllenfeuers, und Isrāfīl, der mit dem Blasen in das Horn beauftragt ist.
Sie werden in authentischen aḥādīṯ erwähnt. So ist im Ṣaḥīḥ über ʿĀʾišah, raḍiya-ḷḷāhu ʿanhā, gesichert überliefert, dass der Prophet, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, sagte:
Ḥadīṯ
«خُلِقَتِ الْمَلَائِكَةُ مِنْ نُورٍ، وَخُلِقَ الْجَانُّ مِنْ مَارِجٍ مِنْ نَارٍ، وَخُلِقَ آدَمُ مِمَّا وُصِفَ لَكُمْ»
„Die Engel wurden aus Licht erschaffen, die ǧinn aus einer rauchlosen Feuerflamme und Ādam aus dem, was euch beschrieben worden ist.“11
Ebenso muss man an die Bücher glauben: im Allgemeinen daran, dass Aḷḷāh, subḥānahu, Seinen Propheten und Gesandten Bücher herabgesandt hat, um Sein Recht darzulegen und zu ihm aufzurufen, wie Er, taʿālā, sagt:
Qurʾān
لَقَدۡ أَرۡسَلۡنَا رُسُلَنَا بِٱلۡبَيِّنَٰتِ وَأَنزَلۡنَا مَعَهُمُ ٱلۡكِتَٰبَ وَٱلۡمِيزَانَ لِيَقُومَ ٱلنَّاسُ بِٱلۡقِسۡطِۖ
„Wir haben ja Unsere Gesandten mit den klaren Beweisen gesandt und mit ihnen die Schrift und die Waage herabgesandt, damit die Menschen Gerechtigkeit walten lassen.“12
Sūrat al-Ḥadīd (57:25)
bis zum Ende der Āyah. Und Er, taʿālā, sagt:
Qurʾān
كَانَ ٱلنَّاسُ أُمَّةٗ وَٰحِدَةٗ فَبَعَثَ ٱللَّهُ ٱلنَّبِيِّـۧنَ مُبَشِّرِينَ وَمُنذِرِينَ وَأَنزَلَ مَعَهُمُ ٱلۡكِتَٰبَ بِٱلۡحَقِّ لِيَحۡكُمَ بَيۡنَ ٱلنَّاسِ فِيمَا ٱخۡتَلَفُواْ فِيهِۚ
„Die Menschen waren eine einzige Gemeinschaft. Da ließ Aḷḷāh die Propheten als Frohboten und Warner auftreten, und Er sandte mit ihnen das Buch mit der Wahrheit herab, um zwischen den Menschen über das zu richten, worüber sie uneinig waren.“
Sūrat al-Baqarah (2:213)
bis zum Ende der Āyah.
Im Einzelnen glauben wir an die Bücher, die Aḷḷāh mit Namen genannt hat, wie die Tora, das Evangelium, die Psalmen und den Qurʾān. Der Qurʾān ist das vorzüglichste und abschließende von ihnen; er ist Wächter und Zeuge über sie und bestätigt sie13, und er ist es, dem die gesamte Menschheit folgen und den sie zum Richter machen muss, zusammen mit dem, was authentisch vom Gesandten Aḷḷāhs, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, überliefert ist. Denn Aḷḷāh, subḥānahu, hat Seinen Gesandten Muḥammad, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, als Gesandten zu aṯ-ṯaqalān insgesamt entsandt und ihm diesen Qurʾān herabgesandt, damit er mit ihm zwischen ihnen richte, und Er hat ihn zu einer Heilung für das gemacht, was in den Brüsten ist, zu einer Klarlegung von allem und zu einer Rechtleitung und Barmherzigkeit für die Gläubigen, wie Er, taʿālā, sagt:
Qurʾān
وَهَٰذَا كِتَٰبٌ أَنزَلۡنَٰهُ مُبَارَكٞ فَٱتَّبِعُوهُ وَٱتَّقُواْ لَعَلَّكُمۡ تُرۡحَمُونَ
„Und dies ist ein gesegnetes Buch, das Wir herabgesandt haben. So folgt ihm und seid gottesfürchtig, auf dass ihr Erbarmen finden möget.“
Sūrat al-Anʿām (6:155)
Und Er, subḥānahu, sagt:
Qurʾān
وَنَزَّلۡنَا عَلَيۡكَ ٱلۡكِتَٰبَ تِبۡيَٰنٗا لِّكُلِّ شَيۡءٖ وَهُدٗى وَرَحۡمَةٗ وَبُشۡرَىٰ لِلۡمُسۡلِمِينَ
„Und Wir haben dir das Buch herabgesandt als klare Darlegung von allem und als Rechtleitung, Barmherzigkeit und frohe Botschaft für die Muslime.“
Sūrat an-Naḥl (16:89)
Und Er, taʿālā, sagt:
Qurʾān
قُلۡ يَٰٓأَيُّهَا ٱلنَّاسُ إِنِّي رَسُولُ ٱللَّهِ إِلَيۡكُمۡ جَمِيعًا ٱلَّذِي لَهُۥ مُلۡكُ ٱلسَّمَٰوَٰتِ وَٱلۡأَرۡضِۖ لَآ إِلَٰهَ إِلَّا هُوَ يُحۡيِۦ وَيُمِيتُۖ فَـَٔامِنُواْ بِٱللَّهِ وَرَسُولِهِ ٱلنَّبِيِّ ٱلۡأُمِّيِّ ٱلَّذِي يُؤۡمِنُ بِٱللَّهِ وَكَلِمَٰتِهِۦ وَٱتَّبِعُوهُ لَعَلَّكُمۡ تَهۡتَدُونَ
„Sag: O ihr Menschen, ich bin der Gesandte Aḷḷāhs an euch alle, Dem die Herrschaft der Himmel und der Erde gehört. Es gibt keinen Gott außer Ihm. Er macht lebendig und lässt sterben. Darum glaubt an Aḷḷāh und an Seinen Gesandten, den schriftunkundigen Propheten, der an Aḷḷāh und an Seine Worte glaubt, und folgt ihm, auf dass ihr rechtgeleitet sein möget.“
Sūrat al-Aʿrāf (7:158)
Die Verse mit dieser Bedeutung sind zahlreich. Ebenso muss man an die Gesandten im Allgemeinen und im Einzelnen glauben. Wir glauben, dass Aḷḷāh, subḥānahu, zu Seinen Dienern Gesandte aus ihrer Mitte geschickt hat, als Frohboten und Warner und als Rufer zur Wahrheit. Wer ihnen folgt, erlangt die Glückseligkeit, und wer sich ihnen widersetzt, erntet Scheitern und Reue. Ihr Siegel und der vorzüglichste von ihnen ist unser Prophet Muḥammad ibn ʿAbdillāh, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, wie Er, subḥānahu, sagt:
Qurʾān
وَلَقَدۡ بَعَثۡنَا فِي كُلِّ أُمَّةٖ رَّسُولًا أَنِ ٱعۡبُدُواْ ٱللَّهَ وَٱجۡتَنِبُواْ ٱلطَّٰغُوتَۖ
„Und Wir haben ja bereits in jeder Gemeinschaft einen Gesandten erweckt: ‚Betet Aḷḷāh an und meidet die falschen Götter!‘“
Sūrat an-Naḥl (16:36)
Und Er, taʿālā, sagt:
Qurʾān
رُّسُلٗا مُّبَشِّرِينَ وَمُنذِرِينَ لِئَلَّا يَكُونَ لِلنَّاسِ عَلَى ٱللَّهِ حُجَّةُۢ بَعۡدَ ٱلرُّسُلِۚ
„Gesandte als Frohboten und Warner, damit die Menschen nach den Gesandten keinen Einwand gegen Aḷḷāh vorbringen können.“
Sūrat an-Nisāʾ (4:165)
Und Er, taʿālā, sagt:
Qurʾān
مَّا كَانَ مُحَمَّدٌ أَبَآ أَحَدٖ مِّن رِّجَالِكُمۡ وَلَٰكِن رَّسُولَ ٱللَّهِ وَخَاتَمَ ٱلنَّبِيِّـۧنَۗ
„Muḥammad ist nicht der Vater irgendeines eurer Männer, sondern der Gesandte Aḷḷāhs und das Siegel der Propheten.“
Sūrat al-Aḥzāb (33:40)
An diejenigen von ihnen, die Aḷḷāh mit Namen genannt hat oder deren Namen vom Gesandten Aḷḷāhs, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, gesichert überliefert sind, glauben wir im Einzelnen und namentlich, wie Nūḥ, Hūd, Ṣāliḥ, Ibrāhīm und andere, ṣalla-ḷḷāhu wa sallama ʿalayhim wa ʿalā ālihim wa atbāʿihim.
Der Glaube an den Jüngsten Tag umfasst den Glauben an alles, worüber Aḷḷāh und Sein Gesandter, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, berichtet haben, was nach dem Tod geschieht, wie die Prüfung im Grab, seine Strafe und seine Wonne, und was am Tag der Auferstehung geschieht: die Schrecken und Bedrängnisse, der ṣirāṭ (die Brücke), der mīzān (die Waage), die Abrechnung, die Vergeltung und das Ausbreiten der Schriftblätter unter den Menschen, sodass der eine sein Buch mit der Rechten und der andere sein Buch mit der Linken oder hinter seinem Rücken empfängt. Dazu gehört auch der Glaube an den ḥauḍ (das Becken) unseres Propheten Muḥammad, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, zu dem man zum Trinken kommt, der Glaube an das Paradies und das Höllenfeuer, daran, dass die Gläubigen ihren Herrn, subḥānahu, sehen und Er zu ihnen spricht, und an anderes, was im edlen Qurʾān und in der authentischen sunnah des Gesandten Aḷḷāhs, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, vorkommt. An all dies muss man glauben und es für wahr halten, auf die Weise, wie Aḷḷāh und Sein Gesandter, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, es dargelegt haben.
Der Glaube an den qadar umfasst den Glauben an vier Dinge:
Das Erste: dass Aḷḷāh, subḥānahu, weiß, was gewesen ist und was sein wird; dass Er die Zustände Seiner Diener, ihre Versorgung, ihre Lebensfristen, ihre Taten und ihre übrigen Angelegenheiten kennt und Ihm davon nichts verborgen ist, subḥānahu wa taʿālā, wie Er, subḥānahu, sagt:
Qurʾān
إِنَّ ٱللَّهَ بِكُلِّ شَيۡءٍ عَلِيمُۢ
„Gewiss, Aḷḷāh weiß über alles Bescheid.“
Sūrat al-Anfāl (8:75)
Und Er, ʿazza wa ǧalla, sagt:
Qurʾān
لِتَعۡلَمُوٓاْ أَنَّ ٱللَّهَ عَلَىٰ كُلِّ شَيۡءٖ قَدِيرٞ وَأَنَّ ٱللَّهَ قَدۡ أَحَاطَ بِكُلِّ شَيۡءٍ عِلۡمَۢا
„damit ihr wisst, dass Aḷḷāh zu allem die Macht hat und dass Aḷḷāh alles mit Seinem Wissen umfasst.“
Sūrat aṭ-Ṭalāq (65:12)
Das Zweite: dass Er, subḥānahu, alles aufgeschrieben hat, was Er vorherbestimmt und beschlossen hat, wie Er, subḥānahu, sagt:
Qurʾān
قَدۡ عَلِمۡنَا مَا تَنقُصُ ٱلۡأَرۡضُ مِنۡهُمۡۖ وَعِندَنَا كِتَٰبٌ حَفِيظُۢ
„Wir wissen ja, was die Erde von ihnen verzehrt, und bei Uns ist ein Buch, das alles bewahrt.“
Sūrat Qāf (50:4)
Und Er, taʿālā, sagt:
Qurʾān
وَكُلَّ شَيۡءٍ أَحۡصَيۡنَٰهُ فِيٓ إِمَامٖ مُّبِينٖ
„Und alles haben Wir in einem deutlichen Verzeichnis erfasst.“
Sūrat Yā-Sīn (36:12)
Und Er, taʿālā, sagt:
Qurʾān
أَلَمۡ تَعۡلَمۡ أَنَّ ٱللَّهَ يَعۡلَمُ مَا فِي ٱلسَّمَآءِ وَٱلۡأَرۡضِۚ إِنَّ ذَٰلِكَ فِي كِتَٰبٍۚ إِنَّ ذَٰلِكَ عَلَى ٱللَّهِ يَسِيرٞ
„Weißt du denn nicht, dass Aḷḷāh weiß, was im Himmel und auf der Erde ist? Gewiss, das steht in einem Buch; gewiss, das ist für Aḷḷāh ein Leichtes.“
Sūrat al-Ḥaǧǧ (22:70)
Das Dritte: der Glaube an Seinen uneingeschränkt wirksamen Willen: Was Er will, geschieht, und was Er nicht will, geschieht nicht, wie Er, subḥānahu, sagt:
Qurʾān
إِنَّ ٱللَّهَ يَفۡعَلُ مَا يَشَآءُ ۩
„Gewiss, Aḷḷāh tut, was Er will.“
Sūrat al-Ḥaǧǧ (22:18)
Und Er, ʿazza wa ǧalla, sagt:
Qurʾān
إِنَّمَآ أَمۡرُهُۥٓ إِذَآ أَرَادَ شَيۡـًٔا أَن يَقُولَ لَهُۥ كُن فَيَكُونُ
„Sein Befehl, wenn Er etwas will, ist nur, dass Er zu ihm sagt: ‚Sei!‘, und so ist es.“
Sūrat Yā-Sīn (36:82)
Und Er, subḥānahu, sagt:
Qurʾān
وَمَا تَشَآءُونَ إِلَّآ أَن يَشَآءَ ٱللَّهُ رَبُّ ٱلۡعَٰلَمِينَ
„Und ihr könnt nicht wollen, außer dass Aḷḷāh will, der Herr der Welten.“
Sūrat at-Takwīr (81:29)
Das Vierte: dass Er, subḥānahu, alles Seiende erschaffen hat und es keinen Schöpfer außer Ihm und keinen Herrn neben Ihm gibt, wie Er, subḥānahu, sagt:
Qurʾān
ٱللَّهُ خَٰلِقُ كُلِّ شَيۡءٖۖ وَهُوَ عَلَىٰ كُلِّ شَيۡءٖ وَكِيلٞ
„Aḷḷāh ist der Schöpfer von allem, und Er ist Sachwalter über alles.“
Sūrat az-Zumar (39:62)
Und Er, taʿālā, sagt:
Qurʾān
يَٰٓأَيُّهَا ٱلنَّاسُ ٱذۡكُرُواْ نِعۡمَتَ ٱللَّهِ عَلَيۡكُمۡۚ هَلۡ مِنۡ خَٰلِقٍ غَيۡرُ ٱللَّهِ يَرۡزُقُكُم مِّنَ ٱلسَّمَآءِ وَٱلۡأَرۡضِۚ لَآ إِلَٰهَ إِلَّا هُوَۖ فَأَنَّىٰ تُؤۡفَكُونَ
„O ihr Menschen, gedenkt der Gunst Aḷḷāhs an euch. Gibt es einen anderen Schöpfer als Aḷḷāh, der euch vom Himmel und von der Erde versorgt? Es gibt keinen Gott außer Ihm. Wie lasst ihr euch also abwendig machen?“
Sūrat Fāṭir (35:3)
Der Glaube an den qadar umfasst also nach den Ahl as-Sunnah wa-l-Ǧamāʿah den Glauben an diese vier Dinge, im Gegensatz zu denen unter den Leuten der bidʿah, die einiges davon leugnen.
Zum Glauben an Aḷḷāh gehört auch die Überzeugung, dass der Glaube aus Wort und Tat besteht, durch Gehorsam zunimmt und durch Ungehorsam abnimmt, und dass es nicht erlaubt ist, irgendeinen der Muslime wegen einer Sünde für ungläubig zu erklären, die nicht den Grad des širk (der Beigesellung) oder des kufr (des Unglaubens) erreicht, wie Unzucht, Diebstahl, Zinsnehmen, das Trinken von Berauschendem, die Widersetzlichkeit gegen die Eltern und andere große Sünden, solange er sie nicht für erlaubt erklärt; wegen des Wortes Aḷḷāhs, subḥānahu:
Qurʾān
إِنَّ ٱللَّهَ لَا يَغۡفِرُ أَن يُشۡرَكَ بِهِۦ وَيَغۡفِرُ مَا دُونَ ذَٰلِكَ لِمَن يَشَآءُۚ
„Gewiss, Aḷḷāh vergibt nicht, dass Ihm etwas beigesellt wird; doch was darunter liegt, vergibt Er, wem Er will.“
Sūrat an-Nisāʾ (4:48)
und weil in den mutawātir (durch zahlreiche Überlieferungswege gesicherten) aḥādīṯ vom Gesandten Aḷḷāhs, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, gesichert überliefert ist, dass Aḷḷāh aus dem Feuer herausholt, wer im Herzen auch nur das Gewicht eines Senfkorns an Glauben hat.14
Zum Glauben an Aḷḷāh gehören die Liebe um Aḷḷāhs willen und der Hass um Aḷḷāhs willen, die Loyalität um Aḷḷāhs willen und die Feindschaft um Aḷḷāhs willen. So liebt der Gläubige die Gläubigen und ist ihnen loyal, und er hasst die Ungläubigen und ist ihnen feind.15
An der Spitze der Gläubigen dieser ummah (Gemeinschaft) stehen die Gefährten des Gesandten Aḷḷāhs, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam. Die Ahl as-Sunnah wa-l-Ǧamāʿah lieben sie, sind ihnen loyal und glauben, dass sie nach den Propheten die besten Menschen sind, wegen des Wortes des Propheten, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam:
Ḥadīṯ
«خَيْرُ النَّاسِ قَرْنِي، ثُمَّ الَّذِينَ يَلُونَهُمْ، ثُمَّ الَّذِينَ يَلُونَهُمْ»
„Die besten Menschen sind meine Generation, dann die, die auf sie folgen, dann die, die auf sie folgen“, über dessen Authentizität Einigkeit besteht.16
Sie glauben, dass der vorzüglichste von ihnen Abū Bakr aṣ-Ṣiddīq ist, dann ʿUmar al-Fārūq, dann ʿUṯmān Ḏū n-Nūrayn, dann ʿAlī al-Murtaḍā, raḍiya-ḷḷāhu ʿanhum aǧmaʿīn, nach ihnen die übrigen der Zehn17 und dann die übrigen Gefährten, raḍiya-ḷḷāhu ʿanhum aǧmaʿīn. Sie halten sich zurück bei dem, was zwischen den Gefährten an Streit vorgefallen ist, und glauben, dass sie dabei nach iǧtihād (eigenständiger Urteilsfindung nach bestem Bemühen) handelten: Wer das Richtige traf, erhält zwei Belohnungen, und wer sich irrte, erhält eine Belohnung. Sie lieben die Ahl al-Bayt (Angehörigen des Hauses)18 des Gesandten Aḷḷāhs, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, die an ihn glauben, und sind ihnen loyal; sie sind den Ehefrauen des Gesandten Aḷḷāhs, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, den Müttern der Gläubigen, loyal und erbitten für sie alle das Wohlgefallen Aḷḷāhs. Sie sagen sich los vom Weg der Rāfiḍah19, die die Gefährten des Gesandten Aḷḷāhs, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, hassen und beschimpfen, bei den Ahl al-Bayt übertreiben und sie über den Rang erheben, den Aḷḷāh, ʿazza wa ǧalla, ihnen gegeben hat, so wie sie sich vom Weg der Nawāṣib20 lossagen, die den Ahl al-Bayt mit Worten oder Taten Leid zufügen.
Alles, was wir in diesem kurzen Wort erwähnt haben, gehört zu der richtigen ʿaqīdah, mit der Aḷḷāh Seinen Gesandten Muḥammad, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, entsandt hat. Sie ist die ʿaqīdah von al-firqah an-nāǧiyah (der geretteten Gruppe), der Ahl as-Sunnah wa-l-Ǧamāʿah, über die der Prophet, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, sagte:
Ḥadīṯ
«لَا تَزَالُ طَائِفَةٌ مِنْ أُمَّتِي عَلَى الْحَقِّ مَنْصُورَةً، لَا يَضُرُّهُمْ مَنْ خَذَلَهُمْ، حَتَّى يَأْتِيَ أَمْرُ اللَّهِ» سُبْحَانَهُ
„Eine Gruppe aus meiner ummah wird nicht aufhören, auf der Wahrheit zu sein und siegreich zu bleiben; wer sie im Stich lässt, schadet ihnen nicht, bis der Befehl Aḷḷāhs kommt“, subḥānahu.21
Und er, ʿalayhi-ṣ-ṣalātu wa-s-salām, sagte:
Ḥadīṯ
«افْتَرَقَتِ الْيَهُودُ عَلَى إِحْدَى وَسَبْعِينَ فِرْقَةً، وَافْتَرَقَتِ النَّصَارَى عَلَى اثْنَتَيْنِ وَسَبْعِينَ فِرْقَةً، وَسَتَفْتَرِقُ هَذِهِ الْأُمَّةُ عَلَى ثَلَاثٍ وَسَبْعِينَ فِرْقَةً، كُلُّهَا فِي النَّارِ إِلَّا وَاحِدَةً». فَقَالَ الصَّحَابَةُ: مَنْ هِيَ يَا رَسُولَ اللَّهِ؟ قَالَ: «مَنْ كَانَ عَلَى مِثْلِ مَا أَنَا عَلَيْهِ وَأَصْحَابِي»
„Die Juden spalteten sich in einundsiebzig Gruppen, die Christen spalteten sich in zweiundsiebzig Gruppen, und diese ummah wird sich in dreiundsiebzig Gruppen spalten; alle sind im Feuer außer einer.“ Die Gefährten fragten: „Welche ist es, o Gesandter Aḷḷāhs?“ Er sagte: „Wer auf dem ist, worauf ich und meine Gefährten sind.“22
Das ist die ʿaqīdah, an der man festhalten, auf der man standhaft bleiben und vor deren Gegenteil man sich hüten muss.
Was diejenigen betrifft, die von dieser ʿaqīdah abweichen und ihr Gegenteil verfolgen, so sind sie von vielerlei Art. Unter ihnen sind die Anbeter von Götzenbildern und Götzen, von Engeln, auliyāʾ (den Aḷḷāh Nahestehenden), ǧinn, Bäumen, Steinen und anderem. Diese folgten dem Ruf der Gesandten nicht, sondern widersetzten sich ihnen und stellten sich ihnen entgegen, wie es die Qurayš und die verschiedenen arabischen Stämme mit unserem Propheten Muḥammad, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, taten. Sie baten ihre angebeteten Wesen, ihre Anliegen zu erfüllen, Kranke zu heilen und ihnen Sieg über die Feinde zu verleihen, schlachteten für sie und legten ihnen Gelübde ab. Als der Gesandte Aḷḷāhs, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, ihnen dies vorhielt und ihnen befahl, die Anbetung Aḷḷāh allein aufrichtig zukommen zu lassen, fanden sie das befremdlich, lehnten es ab und sagten:
Qurʾān
أَجَعَلَ ٱلۡأٓلِهَةَ إِلَٰهٗا وَٰحِدًاۖ إِنَّ هَٰذَا لَشَيۡءٌ عُجَابٞ
„Macht er die Götter zu einem einzigen Gott? Das ist wahrlich eine verwunderliche Sache.“
Sūrat Ṣād (38:5)
Er, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, hörte nicht auf, sie zu Aḷḷāh aufzurufen, sie vor dem širk zu warnen und ihnen das Wesen dessen zu erklären, wozu er aufrief, bis Aḷḷāh unter ihnen rechtleitete, wen Er rechtleitete. Danach traten sie in Scharen in die Religion Aḷḷāhs ein, und die Religion Aḷḷāhs gewann die Oberhand über alle anderen Religionen, nach anhaltender Einladung und langem ǧihād (Abmühen) des Gesandten Aḷḷāhs, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, seiner Gefährten, raḍiya-ḷḷāhu ʿanhum, und derer, die ihnen auf die beste Weise folgten. Dann änderten sich die Verhältnisse, und die Unwissenheit gewann bei den meisten Menschen die Oberhand, bis die meisten zur Religion der ǧāhiliyyah (Zeit der Unwissenheit) zurückkehrten: durch Übertreibung gegenüber den Propheten und den auliyāʾ, indem sie sie anriefen und bei ihnen Hilfe suchten, und durch andere Formen des širk. Sie kannten die Bedeutung von lā ilāha illa-ḷḷāh nicht so, wie die ungläubigen Araber ihre Bedeutung kannten. Aḷḷāh ist es, bei dem Hilfe gesucht wird.
Dieser širk breitete sich unter den Menschen bis in unsere Zeit hinein immer weiter aus, wegen der überhandnehmenden Unwissenheit und des großen zeitlichen Abstands zur Zeit des Prophetentums.
Das Scheinargument dieser Späteren ist das Scheinargument der Früheren, nämlich ihr Wort:
Qurʾān
هَٰٓؤُلَآءِ شُفَعَٰٓؤُنَا عِندَ ٱللَّهِۚ
„Das sind unsere Fürsprecher bei Aḷḷāh.“
Sūrat Yūnus (10:18)
und:
Qurʾān
مَا نَعۡبُدُهُمۡ إِلَّا لِيُقَرِّبُونَآ إِلَى ٱللَّهِ زُلۡفَىٰٓ
„Wir beten sie nur an, damit sie uns Aḷḷāh recht nahe bringen.“
Sūrat az-Zumar (39:3)
Aḷḷāh hat dieses Scheinargument zunichtegemacht und dargelegt, dass jeder, der etwas anderes als Ihn anbetet, wer immer es sei, Ihm etwas beigesellt hat und ungläubig geworden ist, wie Er, taʿālā, sagt:
Qurʾān
وَيَعۡبُدُونَ مِن دُونِ ٱللَّهِ مَا لَا يَضُرُّهُمۡ وَلَا يَنفَعُهُمۡ وَيَقُولُونَ هَٰٓؤُلَآءِ شُفَعَٰٓؤُنَا عِندَ ٱللَّهِۚ
„Und sie beten anstatt Aḷḷāhs an, was ihnen weder schadet noch nützt, und sagen: ‚Das sind unsere Fürsprecher bei Aḷḷāh.‘“
Sūrat Yūnus (10:18)
Und Aḷḷāh, subḥānahu, erwiderte ihnen mit Seinem Wort:
Qurʾān
قُلۡ أَتُنَبِّـُٔونَ ٱللَّهَ بِمَا لَا يَعۡلَمُ فِي ٱلسَّمَٰوَٰتِ وَلَا فِي ٱلۡأَرۡضِۚ سُبۡحَٰنَهُۥ وَتَعَٰلَىٰ عَمَّا يُشۡرِكُونَ
„Sag: Wollt ihr denn Aḷḷāh etwas kundtun, was Er weder in den Himmeln noch auf der Erde kennt? Preis sei Ihm, und erhaben ist Er über das, was sie beigesellen.“
Sūrat Yūnus (10:18)
So hat Er, subḥānahu, in diesem Vers dargelegt, dass das Anbeten anderer als Ihn, seien es Propheten, auliyāʾ oder andere, aš-širk al-akbar (der große širk) ist, auch wenn diejenigen, die es tun, es anders nennen. Und Er, taʿālā, sagt:
Qurʾān
وَٱلَّذِينَ ٱتَّخَذُواْ مِن دُونِهِۦٓ أَوۡلِيَآءَ مَا نَعۡبُدُهُمۡ إِلَّا لِيُقَرِّبُونَآ إِلَى ٱللَّهِ زُلۡفَىٰٓ
„Und diejenigen, die sich anstatt Seiner Schutzherren nehmen: ‚Wir beten sie nur an, damit sie uns Aḷḷāh recht nahe bringen.‘“
Sūrat az-Zumar (39:3)
Und Aḷḷāh, subḥānahu, erwiderte ihnen mit Seinem Wort:
Qurʾān
إِنَّ ٱللَّهَ يَحۡكُمُ بَيۡنَهُمۡ فِي مَا هُمۡ فِيهِ يَخۡتَلِفُونَۗ إِنَّ ٱللَّهَ لَا يَهۡدِي مَنۡ هُوَ كَٰذِبٞ كَفَّارٞ
„Gewiss, Aḷḷāh wird zwischen ihnen über das richten, worüber sie uneinig sind. Gewiss, Aḷḷāh leitet nicht recht, wer ein Lügner und beharrlicher Ungläubiger ist.“
Sūrat az-Zumar (39:3)
Damit hat Er, subḥānahu, deutlich gemacht, dass ihre Anbetung anderer als Ihn durch Bittgebet, Furcht, Hoffnung und dergleichen kufr gegenüber Ihm, subḥānahu, ist, und sie in ihrer Behauptung, ihre Götter brächten sie Ihm recht nahe, der Lüge bezichtigt.
Zu den ʿaqāʾid (Glaubenslehren) des kufr, die der richtigen ʿaqīdah widersprechen und dem zuwiderlaufen, was die Gesandten, ʿalayhimu-ṣ-ṣalātu wa-s-salām, gebracht haben, gehört auch, was die Atheisten unserer Zeit glauben, die Anhänger von Marx, Lenin und anderen Rufern zum Atheismus und zum kufr, ob sie es Sozialismus, Kommunismus, Baʿṯismus23 oder anders nennen. Denn zu den Grundsätzen dieser Atheisten gehört, dass es keinen Gott gibt und das Leben Materie ist; zu ihren Grundsätzen gehören auch die Leugnung des maʿād, die Leugnung des Paradieses und des Höllenfeuers und der kufr gegenüber allen Religionen. Wer ihre Bücher betrachtet und studiert, was sie vertreten, weiß dies mit Gewissheit. Es besteht kein Zweifel, dass diese Lehre allen himmlischen Religionen widerspricht und ihre Anhänger zu den schlimmsten Folgen im Diesseits und im Jenseits führt.
Zu den Überzeugungen, die der Wahrheit widersprechen, gehört auch, was manche Sufis glauben: dass manche von denen, die sie auliyāʾ nennen, an der Lenkung neben Aḷḷāh teilhaben und über die Angelegenheiten der Welt verfügen; sie nennen sie aqṭāb („Pole“), autād („Pflöcke“), aġwāṯ („Nothelfer“)24 und mit anderen Namen, die sie für ihre Götter erfunden haben. Das ist eine der hässlichsten Formen des širk in der rubūbiyyah (Herrschaft) und schlimmer als der širk der Araber der ǧāhiliyyah. Denn die ungläubigen Araber gesellten in der rubūbiyyah nichts bei, sondern nur in der Anbetung, und ihr širk geschah in Zeiten des Wohlergehens; in Zeiten der Not dagegen ließen sie Aḷḷāh die Anbetung aufrichtig zukommen, wie Aḷḷāh, subḥānahu, sagt:
Qurʾān
فَإِذَا رَكِبُواْ فِي ٱلۡفُلۡكِ دَعَوُاْ ٱللَّهَ مُخۡلِصِينَ لَهُ ٱلدِّينَ فَلَمَّا نَجَّىٰهُمۡ إِلَى ٱلۡبَرِّ إِذَا هُمۡ يُشۡرِكُونَ
„Wenn sie ein Schiff besteigen, rufen sie Aḷḷāh an, wobei sie Ihm gegenüber aufrichtig in der Religion sind. Doch nachdem Er sie ans Land errettet hat, gesellen sie Ihm sogleich andere bei.“
Sūrat al-ʿAnkabūt (29:65)
Die rubūbiyyah hingegen erkannten sie Aḷḷāh allein zu, wie Er, subḥānahu, sagt:
Qurʾān
وَلَئِن سَأَلۡتَهُم مَّنۡ خَلَقَهُمۡ لَيَقُولُنَّ ٱللَّهُۖ
„Und wenn du sie fragst, wer sie erschaffen hat, sagen sie ganz gewiss: ‚Aḷḷāh.‘“
Sūrat az-Zuḫruf (43:87)
Und Er, taʿālā, sagt:
Qurʾān
قُلۡ مَن يَرۡزُقُكُم مِّنَ ٱلسَّمَآءِ وَٱلۡأَرۡضِ أَمَّن يَمۡلِكُ ٱلسَّمۡعَ وَٱلۡأَبۡصَٰرَ وَمَن يُخۡرِجُ ٱلۡحَيَّ مِنَ ٱلۡمَيِّتِ وَيُخۡرِجُ ٱلۡمَيِّتَ مِنَ ٱلۡحَيِّ وَمَن يُدَبِّرُ ٱلۡأَمۡرَۚ فَسَيَقُولُونَ ٱللَّهُۚ فَقُلۡ أَفَلَا تَتَّقُونَ
„Sag: Wer versorgt euch vom Himmel und von der Erde? Oder wer hat Gewalt über euer Gehör und euer Augenlicht? Und wer bringt das Lebendige aus dem Toten hervor und bringt das Tote aus dem Lebendigen hervor? Und wer lenkt die Angelegenheit? Sie werden sagen: ‚Aḷḷāh.‘ So sag: Wollt ihr denn nicht gottesfürchtig sein?“
Sūrat Yūnus (10:31)
Die Verse mit dieser Bedeutung sind zahlreich.
Die späteren mušrikūn (Polytheisten) aber gingen in zweierlei Hinsicht über die früheren hinaus: erstens durch den širk mancher von ihnen in der rubūbiyyah, zweitens durch ihren širk in Wohlergehen und Not. Das weiß jeder, der mit ihnen Umgang hatte, ihre Zustände erforscht und gesehen hat, was sie am Grab von al-Ḥusayn, von al-Badawī und an anderen in Ägypten tun, am Grab von al-ʿAydarūs in Aden, von al-Hādī im Jemen, von Ibn ʿArabī in aš-Šām und von Šayḫ ʿAbd al-Qādir al-Ǧīlānī im Irak, und an anderen bekannten Gräbern, bei denen das einfache Volk übertreibt und denen es viel vom Recht Aḷḷāhs, ʿazza wa ǧalla, zukommen lässt. Nur wenige halten ihnen dies vor und legen ihnen das Wesen des tauḥīd dar, mit dem Aḷḷāh Seinen Propheten Muḥammad, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, und die Gesandten vor ihm, ʿalayhimu-ṣ-ṣalātu wa-s-salām, entsandt hat. „Wir gehören Aḷḷāh, und zu Ihm kehren wir zurück.“25 Wir bitten Ihn, subḥānahu, sie zur Besinnung zurückzuführen, unter ihnen die Rufer zur Rechtleitung zu vermehren und den Führern und Gelehrten der Muslime Erfolg darin zu schenken, diesen širk und seine Mittel zu bekämpfen und zu beseitigen. Gewiss, Er ist allhörend und nahe.
Zu den Überzeugungen, die der richtigen ʿaqīdah im Bereich der Namen und Eigenschaften widersprechen, gehören die Lehren der Leute der bidʿah: der Ǧahmiyyah26, der Muʿtazilah27 und derer, die ihren Weg gehen, indem sie die Eigenschaften Aḷḷāhs, ʿazza wa ǧalla, verneinen, Ihm, subḥānahu, Seine Eigenschaften der Vollkommenheit absprechen und Ihn, ʿazza wa ǧalla, mit den Eigenschaften des Nichtseienden, des Unbelebten und des Unmöglichen beschreiben. Aḷḷāh ist weit erhaben über das, was sie sagen. Dazu gehören auch diejenigen, die manche Eigenschaften verneinen und andere bestätigen, wie die Ašʿariten28. Denn für die Eigenschaften, die sie bestätigen, folgt notwendig dasselbe, wovor sie bei den Eigenschaften geflohen sind, die sie verneint und deren Belege sie umgedeutet haben. Damit haben sie den überlieferten und den rationalen Belegen widersprochen und sich dabei offenkundig selbst widersprochen. Die Ahl as-Sunnah wa-l-Ǧamāʿah hingegen haben für Aḷḷāh, subḥānahu, die Namen und Eigenschaften bestätigt, die Er Sich Selbst bestätigt hat oder die Ihm Sein Gesandter Muḥammad, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, bestätigt hat, auf vollkommene Weise, und sie haben Ihn davon freigesprochen, Seiner Schöpfung zu gleichen: eine Freisprechung, die frei von jeder Spur des taʿṭīl ist. So handelten sie nach allen Belegen, haben weder verfälscht noch geleugnet und blieben von dem Selbstwiderspruch verschont, in den andere geraten sind, wie bereits dargelegt wurde. Das ist der Weg der Rettung und der Glückseligkeit im Diesseits und im Jenseits, und es ist der gerade Weg, den die salaf dieser ummah und ihre Imame gegangen sind. Die späteren Generationen dieser ummah können nur durch das gebessert werden, wodurch auch ihre ersten Generationen gebessert wurden: durch das Befolgen des Buches und der sunnah und das Unterlassen dessen, was beiden widerspricht.
Aḷḷāh ist es, der Erfolg schenkt. Er, subḥānahu, genügt uns, und Er ist der beste Sachwalter. Es gibt keine Macht und keine Kraft außer durch Ihn. Wa ṣalla-ḷḷāhu wa sallama ʿalā ʿabdihi wa rasūlihi nabiyyinā Muḥammadin wa ālihi wa ṣaḥbih.
Quelle: ʿAbd al-ʿAzīz ibn Bāz, al-ʿAqīdah aṣ-Ṣaḥīḥah wa mā yuḍādduhā (العقيدة الصحيحة وما يضادها), veröffentlicht in Maǧallat al-Buḥūṯ al-Islāmiyyah, Nr. 7 (Raǧab bis Šawwāl 1403 n. H.); Maǧmūʿ Fatāwā wa Maqālāt Ibn Bāz 1/13. Übersetzung und Anmerkungen [A.d.Ü.]: Ferhat Abū ʿAbdillāh.
- [A.d.Ü.] Millah bezeichnet die Religion als Ganzes, als von Aḷḷāh offenbarte Ordnung. Ar-Rāġib al-Iṣfahānī (gest. um 502 n. H.) erklärt: „Die millah ist wie der dīn; sie ist der Name für das, was Aḷḷāh, taʿālā, Seinen Dienern durch die Propheten vorgeschrieben hat, damit sie dadurch in Seine Nähe gelangen.“ Der Unterschied zum dīn bestehe darin, dass die millah nur dem Propheten zugeordnet wird, auf den sie zurückgeht, wie in „millat Ibrāhīm“, und nur für die Gesamtheit einer Offenbarungsordnung gebraucht wird, nicht für ihre einzelnen Teile; man sagt also nicht: „Das Gebet ist die millah Aḷḷāhs“ (al-Mufradāt fī Ġarīb al-Qurʾān, hrsg. von ad-Dāwūdī, S. 773). Ibn Manẓūr (gest. 711 n. H.) schreibt: „Die millah ist die šarīʿah und der dīn […] und man sagt: Sie ist der Hauptteil des dīn und die Gesamtheit dessen, was die Gesandten bringen“ (Lisān al-ʿArab 11/631). Aṭ-Ṭabarī (gest. 310 n. H.) sagt zu Sūrat al-Baqarah (2:120): „Was die millah betrifft, so ist sie der dīn“ (Ǧāmiʿ al-Bayān, hrsg. von at-Turkī, 2/484). ↩︎
- [A.d.Ü.] Muslim Nr. 8, von ʿUmar ibn al-Ḫaṭṭāb; von Abū Hurayrah: al-Buḫārī Nr. 50, Muslim Nr. 9. ↩︎
- [A.d.Ü.] Die ǧinn sind eine Schöpfung, die Aḷḷāh aus dem Feuer des glühenden Windes (as-samūm) erschaffen hat. Sie sind vernunftbegabt, handeln mit Willen und pflanzen sich fort, und ihnen sind religiöse Pflichten auferlegt, ähnlich wie dem Menschen. Sie sind keine Eigenschaften oder Akzidenzien, die am Menschen oder an etwas anderem bestehen. In ihrer eigentlichen Natur und wahren Gestalt sind sie jedoch nicht sichtbar, und sie haben die Fähigkeit, andere Gestalten anzunehmen. Vgl. Ibn Taymiyyah (gest. 728 n. H.), Maǧmūʿ al-Fatāwā 19/10; ʿAbd al-Karīm ʿUbaydāt, ʿĀlam al-Ǧinn fī Ḍawʾ al-Kitāb wa-s-Sunnah (Dār Ibn Taymiyyah, 2. Aufl., 1412 n. H.), S. 9; Sayyid Sābiq (gest. 1420 n. H.), al-ʿAqāʾid al-Islāmiyyah (Dār al-Fatḥ, 10. Aufl.), S. 113. ↩︎
- [A.d.Ü.] Al-Buḫārī Nr. 2856, Muslim Nr. 30. ↩︎
- [A.d.Ü.] Abū l-Ḥasan ʿAlī ibn Ismāʿīl al-Ašʿarī, ein Nachkomme des Prophetengefährten Abū Mūsā al-Ašʿarī, raḍiya-ḷḷāhu ʿanhu, wurde 260 n. H. in Baṣrah geboren. Sein Leben verlief in drei Phasen: Bis etwa zu seinem vierzigsten Lebensjahr gehörte er der Muʿtazilah an, als Schüler ihres führenden Gelehrten Abū ʿAlī al-Ǧubbāʾī (gest. 303 n. H.). Dann sagte er sich von ihr los und folgte dem Weg Ibn Kullābs (gest. 243 n. H.), der die sogenannten rationalen Eigenschaften bestätigte, die überlieferten wie das Gesicht, die Hand und das istiwāʾ aber umdeutete. Schließlich kehrte er im Allgemeinen zur Lehre der salaf zurück, berief sich auf Imām Aḥmad (gest. 241 n. H.) und legte dies in seinem letzten Werk al-Ibānah ʿan Uṣūl ad-Diyānah dar. Manche meinen dagegen, er sei bei der mittleren Phase geblieben und al-Ibānah sei vor seinem kalām-Werk al-Lumaʿ entstanden. Ibn Taymiyyah, Ibn Kaṯīr (gest. 774 n. H.) und andere bezeichnen al-Ibānah jedoch als sein letztes Werk (nach al-ʿUṣaymī, S. 237–244). So beschreiben es unter anderem Ibn Kaṯīr, aḏ-Ḏahabī (gest. 748 n. H.) und Ibn ʿUṯaymīn (gest. 1421 n. H.). Die meisten seiner späteren Anhänger folgten dieser Rückkehr nicht. Vgl. Ibn Kaṯīr, Ṭabaqāt aš-Šāfiʿiyyīn, S. 210; aḏ-Ḏahabī, al-ʿUluww 2/1254–1255; Ibn ʿUṯaymīn, al-Qawāʿid al-Muṯlā, S. 80–81; ausführlich, mit Darstellung und Widerlegung der Gegenansicht, Ṣāliḥ al-ʿUṣaymī, al-Imām al-Ašʿarī: Ḥayātuhu wa Aṭwāruhu l-ʿAqadiyyah, S. 225–244. ↩︎
- [A.d.Ü.] Gemeint ist Maqālāt al-Islāmiyyīn wa Iḫtilāf al-Muṣallīn; dort der Abschnitt „Darstellung der Gesamtlehre der Leute des ḥadīṯ und der sunnah“ (hrsg. von Ritter, S. 290; hrsg. von Zarzūr 1/226). ↩︎
- [A.d.Ü.] Mālik ließ den Fragenden hinausbringen, weil er die Frage nach dem Wie der Eigenschaften Aḷḷāhs als bidʿah ansah; nach einer anderen Überlieferung sagte er: „Ich sehe in dir nichts anderes als einen Anhänger der bidʿah“, und ließ ihn hinausbringen (Ibn Taymiyyah, Maǧmūʿ al-Fatāwā 6/399). Ibn Taymiyyah erläutert, die salaf seien sich darin einig gewesen, dass uns das Wie unbekannt ist, denn das Wesen Aḷḷāhs ist den Menschen nicht bekannt; und da die Rede über die Eigenschaften der Rede über das Wesen folgt, ist die Bestätigung der Eigenschaften eine Bestätigung ihres Seins, nicht ihres Wie (ebd. 3/167). ↩︎
- [A.d.Ü.] Gemeint ist höchstwahrscheinlich sein Werk Šarḥ Uṣūl Iʿtiqād Ahl as-Sunnah wa-l-Ǧamāʿah, in dem er die Aussagen der salaf zu den Fragen der ʿaqīdah mit ihren Überlieferungsketten zusammengetragen hat. ↩︎
- [A.d.Ü.] Gemeint ist al-Fatwā al-Ḥamawiyyah al-Kubrā, Ibn Taymiyyahs Antwort auf eine Anfrage aus der syrischen Stadt Ḥamāh zu den Versen und aḥādīṯ über die Eigenschaften Aḷḷāhs. ↩︎
- [A.d.Ü.] Ibn Kaṯīr, Tafsīr al-Qurʾān al-ʿAẓīm, hrsg. von Sāmī Salāmah (Dār Ṭaybah, 2. Aufl., 1420 n. H.) 3/426–427, zu Sūrat al-Aʿrāf (7:54). ↩︎
- [A.d.Ü.] Muslim Nr. 2996. ↩︎
- [A.d.Ü.] Zu al-mīzān (der Waage) gibt es zwei Deutungen: Nach Qatādah (gest. 117 n. H.) und Muqātil ibn Sulaymān (gest. 150 n. H.) ist es der ʿadl (die Gerechtigkeit). So erklärt auch aṭ-Ṭabarī den Vers: Aḷḷāh sandte mit den Gesandten „die Schrift mit den Bestimmungen und Gesetzen herab und die Waage mit der Gerechtigkeit“, damit „die Menschen untereinander nach der Gerechtigkeit handeln“. Nach Ibn Zayd (gest. 182 n. H.) ist es die Waage, mit der die Menschen im Handel nehmen und geben: „Die Schrift ist für das Jenseits, die Waage für das Diesseits“ (Ǧāmiʿ al-Bayān, hrsg. von at-Turkī, 22/424–425, zu Sūrat al-Ḥadīd, 57:25; Tafsīr Muqātil 4/245). Ibn Taymiyyah sagt dazu: „Viele Kommentatoren sagten: Es ist die Gerechtigkeit; manche sagten: das, womit gewogen und die Gerechtigkeit erkannt wird; und beides gehört untrennbar zusammen“ (ar-Radd ʿalā l-Manṭiqiyyīn, S. 384). ↩︎
- [A.d.Ü.] Ibn Bāz greift hier die Worte aus Sūrat al-Māʾidah (5:48) auf. Aṭ-Ṭabarī erklärt: Der Qurʾān ist Zeuge über die früheren Schriften, „dass sie Wahrheit von Aḷḷāh sind“, „vertrauenswürdig über sie und ihr Bewahrer“; die Grundbedeutung von haymanah ist „Bewahren und Überwachen“. Und er bestätigt sie, das heißt: Er bestätigt die Bücher Aḷḷāhs, die Er vor ihm Seinen Propheten herabsandte. Der Qurʾān ist damit zugleich der Maßstab für sie: Was die Leute der Schrift aus ihren Büchern berichten, ist wahr, wenn der Qurʾān es bestätigt, und falsch, wenn er ihm widerspricht, wie Ibn Ǧurayǧ (gest. 150 n. H.) erklärt (Ǧāmiʿ al-Bayān, hrsg. von at-Turkī, 8/486–487, zu Sūrat al-Māʾidah, 5:48). Eine Bestätigung der späteren, veränderten Fassungen dieser Schriften ist damit nicht gemeint (vgl. Sūrat al-Māʾidah, 5:13). ↩︎
- [A.d.Ü.] Unter anderem al-Buḫārī Nr. 22 und Muslim Nr. 184, von Abū Saʿīd al-Ḫudrī. ↩︎
- [A.d.Ü.] Die hier beschriebene religiöse Loyalität und Abgrenzung hebt die Pflicht zu Gerechtigkeit und gütigem Umgang mit Nichtmuslimen nicht auf, die die Muslime nicht wegen ihrer Religion bekämpfen und sie nicht aus ihren Wohnstätten vertreiben: „Aḷḷāh verbietet euch nicht, gegenüber denjenigen, die nicht gegen euch der Religion wegen gekämpft und euch nicht aus euren Wohnstätten vertrieben haben, gütig zu sein und gerecht mit ihnen zu verfahren. Gewiss, Aḷḷāh liebt die Gerechten“ (Sūrat al-Mumtaḥanah, 60:8). Zum allgemeinen Gebot der Gerechtigkeit vgl. Sūrat al-Māʾidah (5:8). Die Aussage ist daher nicht als Rechtfertigung von Ungerechtigkeit oder der Verletzung fremder Rechte zu verstehen. Aus der sīrah: Asmāʾ bint Abī Bakr fragte den Propheten, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, ob sie ihrer nichtmuslimischen Mutter, die zu ihr gekommen war, Gutes tun dürfe, und er sagte: „Ja, pflege die Verbindung zu deiner Mutter“ (al-Buḫārī Nr. 2620, Muslim Nr. 1003). Er besuchte einen kranken jüdischen Jungen, der ihm gedient hatte (al-Buḫārī Nr. 1356), und starb, während sein Panzer bei einem Juden für Gerste verpfändet war (al-Buḫārī Nr. 2916). Und er warnte: „Wer einen muʿāhad (Nichtmuslim unter vertraglichem Schutz) tötet, wird den Duft des Paradieses nicht riechen“ (al-Buḫārī Nr. 3166). ↩︎
- [A.d.Ü.] Al-Buḫārī Nr. 2652, Muslim Nr. 2533, von ʿAbduḷḷāh ibn Masʿūd. ↩︎
- [A.d.Ü.] Gemeint sind die zehn Gefährten, denen der Prophet, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, namentlich das Paradies verkündet hat (al-ʿašarah al-mubaššarūn bi-l-ǧannah): Abū Bakr, ʿUmar, ʿUṯmān, ʿAlī, Ṭalḥah ibn ʿUbaydillāh, az-Zubayr ibn al-ʿAwwām, ʿAbd ar-Raḥmān ibn ʿAuf, Saʿd ibn Abī Waqqāṣ, Saʿīd ibn Zayd und Abū ʿUbaydah ibn al-Ǧarrāḥ, raḍiya-ḷḷāhu ʿanhum. At-Tirmiḏī Nr. 3747, von ʿAbd ar-Raḥmān ibn ʿAuf; Abū Dāwūd Nr. 4649, von Saʿīd ibn Zayd. ↩︎
- [A.d.Ü.] Zu den Ahl al-Bayt (auch Āl al-Bayt oder Āl Muḥammad, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam) gehören nach der von aš-Šāfiʿī und Aḥmad überlieferten Ansicht diejenigen, denen die ṣadaqah (Almosen) verboten ist: seine Nachkommen und seine Verwandten aus den Banū Hāšim sowie die freigelassenen Schutzbefohlenen (mawālī) der Männer unter ihnen. Ob seine Ehefrauen dazugehören, ist umstritten; Ibn Taymiyyah hält es für richtiger, dass sie zu seinen Ahl al-Bayt gehören, wie Sūrat al-Aḥzāb (33:33) und ihr Zusammenhang zeigen. Ebenso umstritten ist, ob die Banū l-Muṭṭalib dazugehören: nach aš-Šāfiʿī und einer riwāyah von Aḥmad ja, nach Abū Ḥanīfah und Mālik nicht (Ibn Taymiyyah, Maǧmūʿ al-Fatāwā 22/460–461). Vgl. an-Nawawī (gest. 676 n. H.), al-Maǧmūʿ (Dār al-Fikr, Beirut) 3/467; Ibn Taymiyyah, Maǧmūʿ al-Fatāwā 22/460; Ibn al-Qayyim (gest. 751 n. H.), Ǧalāʾ al-Afhām (Dār ʿĀlam al-Fawāʾid, 1. Aufl.), S. 236, 239, 245 und 250; ʿAbd al-Muḥsin al-ʿAbbād, Faḍl Ahl al-Bayt (Dār Ibn al-Aṯīr, 1. Aufl.), S. 6. Der Prophet, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, sagte: „Und die Angehörigen meines Hauses: Ich erinnere euch an Aḷḷāh in Bezug auf die Angehörigen meines Hauses, ich erinnere euch an Aḷḷāh in Bezug auf die Angehörigen meines Hauses, ich erinnere euch an Aḷḷāh in Bezug auf die Angehörigen meines Hauses“ (Muslim Nr. 2408). Und Abū Bakr, raḍiya-ḷḷāhu ʿanhu, sagte zu ʿAlī, raḍiya-ḷḷāhu ʿanhu: „Bei Dem, in Dessen Hand meine Seele ist: Die Verwandtschaft des Gesandten Aḷḷāhs, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, zu pflegen, ist mir lieber, als meine eigene Verwandtschaft zu pflegen“ (al-Buḫārī Nr. 3712, Muslim Nr. 1759). ↩︎
- [A.d.Ü.] Rāfiḍah (Sg. rāfiḍī): „Die Rāfiḍah sind eine Gruppierung mit Glaubensansichten, deren gefährlichste die Erklärung der meisten Prophetengefährten, raḍiya-ḷḷāhu ʿanhum, zu Ungläubigen ist, die Anfechtung des Kalifats der beiden Šayḫs Abū Bakr und ʿUmar, raḍiya-ḷḷāhu ʿanhumā, und die Behauptung, das Kalifat gebühre ʿAlī ibn Abī Ṭālib, raḍiya-ḷḷāhu ʿanhu, und nach ihm seinen Nachkommen“ (ʿAbd al-Qādir ibn Muḥammad ʿAṭā Ṣūfī, Dirāsah Manhaǧiyyah li-Baʿḍ Firaq ar-Rāfiḍah wa-l-Bāṭiniyyah, Dār al-Imām Muslim, 1. Aufl., 1438 n. H., S. 13). ʿAbduḷḷāh, der Sohn Imām Aḥmads, sagte: Ich fragte meinen Vater, wer ein Rāfiḍī sei. Er sagte: „Wer Abū Bakr und ʿUmar beschimpft“ (Ibn Abī Yaʿlā, Ṭabaqāt al-Ḥanābilah, hrsg. von al-ʿUṯaymīn, 2/10). ↩︎
- [A.d.Ü.] Nawāṣib (Sg. nāṣibī): diejenigen, die gegen die Ahl al-Bayt Feindschaft hegen (naṣb). Ibn Taymiyyah beschreibt, dass es in Kūfa zwei Gruppen gab: die Rāfiḍah, die vorgaben, die Ahl al-Bayt zu lieben, und eine nāṣibitische Gruppe, die ʿAlī und seine Gefährten wegen der Kämpfe in der Zeit der fitnah hasste (Maǧmūʿ al-Fatāwā 25/301). ↩︎
- [A.d.Ü.] Mit ähnlichem Wortlaut bei Muslim Nr. 1920, von Ṯaubān; mit „siegreich“ (manṣūrīn) bei at-Tirmiḏī Nr. 2192, von Qurrah ibn Iyās. ↩︎
- [A.d.Ü.] Die Aufspaltung in 71, 72 und 73 Gruppen: Abū Dāwūd Nr. 4596, von Abū Hurayrah; mit dem Zusatz „alle sind im Feuer außer einer“: Ibn Māǧah Nr. 3992, von ʿAuf ibn Mālik; die Antwort „Wer auf dem ist, worauf ich und meine Gefährten sind“: at-Tirmiḏī Nr. 2641, von ʿAbduḷḷāh ibn ʿAmr. ↩︎
- [A.d.Ü.] Die Baʿṯ-Partei (Ḥizb al-Baʿṯ al-ʿArabī al-Ištirākī): eine säkulare arabisch-nationalistische Partei, 1947 in Damaskus gegründet, unter anderem von dem Christen Michel ʿAflaq und Ṣalāḥ al-Bīṭār; ihre erklärten Ziele lauteten Einheit, Freiheit und Sozialismus (al-Mausūʿah al-Muyassarah fī l-Adyān wa-l-Maḏāhib wa-l-Aḥzāb al-Muʿāṣirah 1/470). ↩︎
- [A.d.Ü.] Aqṭāb, autād und aġwāṯ sind Bezeichnungen, mit denen manche Sufis Rangstufen ihrer auliyāʾ benennen; es sind keine Begriffe der šarīʿah. Der quṭb (Pl. aqṭāb, wörtlich „Pol, Achse“) bzw. ġauṯ (Pl. aġwāṯ, wörtlich „Nothelfer“) gilt bei ihnen als die höchste Stufe; mit ġauṯ bezeichnen manche einen einzigen Menschen, den „Pol der Zeit“, dem sie Einfluss auf die Lenkung des Weltgeschehens zuschreiben. Die autād (wörtlich „Pflöcke“) sind nach ihrer Vorstellung vier, gleichsam die Pfeiler, auf denen die Welt steht (vgl. at-Tahānawī, Kaššāf Iṣṭilāḥāt al-Funūn wa-l-ʿUlūm 1/462; Mausūʿat al-Firaq al-Muntasibah li-l-Islām 7/235). Ibn Taymiyyah sagt über Namen wie „den ġauṯ in Mekka, die vier autād, die sieben aqṭāb, die vierzig abdāl und die dreihundert nuǧabāʾ“: „Diese Namen stehen nicht im Buch Aḷḷāhs, und sie sind auch nicht vom Propheten, ṣalla-ḷḷāhu ʿalayhi wa sallam, überliefert, weder mit einer gesicherten noch mit einer schwachen Überlieferungskette“ (Maǧmūʿ al-Fatāwā 11/433). Ibn al-Qayyim erklärt alle aḥādīṯ über die abdāl, aqṭāb, aġwāṯ, nuqabāʾ, nuǧabāʾ und autād für nichtig (al-Manār al-Munīf, hrsg. von Abū Ġuddah, S. 136). Und Ibn Taymiyyah legt dar, dass die Behauptung, die Versorgung und der Beistand der Geschöpfe gelangten durch den ġauṯ zu ihnen, nach Übereinstimmung der Muslime klarer kufr ist (Maǧmūʿ al-Fatāwā 27/96–97). ↩︎
- [A.d.Ü.] Vgl. Sūrat al-Baqarah (2:156). ↩︎
- [A.d.Ü.] Die Ǧahmiyyah: eine kalām-Gruppierung, benannt nach Ǧahm ibn Ṣafwān (gest. 128 n. H.), einem Schüler des al-Ǧaʿd ibn Dirham (gest. um 124 n. H.); sie zählt zu den muʿaṭṭilah (den Leugnern der Eigenschaften Aḷḷāhs). Zu ihren bekanntesten Lehren gehören: die Leugnung der Namen und Eigenschaften Aḷḷāhs oder ihrer Bedeutung; die Leugnung der Handlungen, die Aḷḷāh nach Seinem Willen vollzieht; in der Frage des qadar die Lehre vom ǧabr (dass der Mensch zu seinen Taten gezwungen sei); und ein übersteigerter irǧāʾ (das Herausnehmen der Taten aus dem Glauben), bis hin zu der Behauptung, der Glaube sei nur das Wissen oder die Überzeugung im Herzen (vgl. Mausūʿat al-Firaq al-Muntasibah li-l-Islām 6/417; Ġālib ibn ʿAlī ʿAwāǧī, Firaq Muʿāṣirah tantasibu ilā l-Islām 3/1131; Nāṣir al-ʿAql, Šarḥ Lumʿat al-Iʿtiqād 7/16). Die salaf warnten eindringlich vor ihnen: ʿAbduḷḷāh ibn al-Mubārak sagte: „Wir können die Worte der Juden und Christen wiedergeben, aber wir können die Worte der Ǧahmiyyah nicht wiedergeben“ (al-Ḫallāl, as-Sunnah Nr. 1716). Yazīd ibn Hārūn (gest. 206 n. H.) sagte: „Von den Ǧahmiyyah wird Reue verlangt“ (Abū Dāwūd, Masāʾil al-Imām Aḥmad Nr. 1730). Imām Aḥmad verfasste gegen sie seine Schrift ar-Radd ʿalā z-Zanādiqah wa-l-Ǧahmiyyah. ↩︎
- [A.d.Ü.] Die Muʿtazilah: eine Gruppierung, die gegen Ende der Umayyadenzeit entstand und in der Abbasidenzeit aufblühte. Sie stützte sich im Verständnis der ʿaqīdah auf den bloßen Verstand, beeinflusst von eingeführten Philosophien, und wich dadurch von der ʿaqīdah der Ahl as-Sunnah wa-l-Ǧamāʿah ab. Als einer der Gründe für ihren Namen gilt, dass Wāṣil ibn ʿAṭāʾ sich vom Unterrichtskreis al-Ḥasan al-Baṣrīs absonderte (iʿtazala) (al-Mausūʿah al-Muyassarah fī l-Adyān wa-l-Maḏāhib wa-l-Aḥzāb al-Muʿāṣirah 1/64). Ihre Lehre fassten sie in fünf Grundsätzen (al-uṣūl al-ḫamsah) zusammen: erstens at-tauḥīd, worunter sie die Leugnung der Eigenschaften Aḷḷāhs verstanden, woraus sie unter anderem folgerten, der Qurʾān sei erschaffen und Aḷḷāh werde nicht gesehen; zweitens al-ʿadl, worunter sie verstanden, dass Aḷḷāh die Handlungen der Diener nicht erschaffe; drittens al-waʿd wa-l-waʿīd (Verheißung und Androhung): Wer eine große Sünde begeht, dem vergibt Aḷḷāh nur, wenn er bereut; viertens al-manzilah bayna l-manzilatayn (die Stufe zwischen den beiden Stufen): Wer eine große Sünde begeht, ist weder Gläubiger noch Ungläubiger; fünftens al-amr bi-l-maʿrūf wa-n-nahy ʿani l-munkar (das Gebieten des Rechten und Verbieten des Verwerflichen), woraus sie die Pflicht ableiteten, sich gegen einen vom Recht abweichenden Herrscher zu erheben (al-Mausūʿah al-Muyassarah fī l-Adyān wa-l-Maḏāhib wa-l-Aḥzāb al-Muʿāṣirah 1/68). Die Imame der sunnah verurteilten diesen Weg des kalām scharf; aš-Šāfiʿī sagte: „Mein Urteil über die Leute des kalām ist, dass sie mit Palmzweigen geschlagen, auf Kamele gesetzt und unter den Sippen und Stämmen herumgeführt werden […]“ (al-Baġawī, Šarḥ as-Sunnah 1/218). ↩︎
- [A.d.Ü.] Die Ašʿariten: eine kalām-Schule, benannt nach Abū l-Ḥasan al-Ašʿarī; sie folgt der Lehre seiner zweiten Phase, also dem Weg Ibn Kullābs (siehe Anm. 5). Zu den bekanntesten Lehren der späteren Ašʿariten gehören: Sie bestätigen sieben Eigenschaften, die sie mit dem Verstand begründen (Leben, Wissen, Macht, Wille, Hören, Sehen und Rede), und deuten die übrigen, in den Texten überlieferten Eigenschaften um, etwa das Gesicht, die Hände, die Erhabenheit (ʿuluww) und das istiwāʾ; spätere unter ihnen überlassen deren Bedeutung Aḷḷāh (tafwīḍ). Bei einem vermeintlichen Widerspruch stellen sie den Verstand über die Überlieferung, und Einzelüberlieferungen (aḥādīṯ al-āḥād) nehmen sie in der ʿaqīdah nicht an. Den Qurʾān halten sie nicht im eigentlichen Sinn für Aḷḷāhs Rede, sondern für einen Ausdruck Seiner „inneren Rede“ (al-kalām an-nafsī). Im Glauben genügt ihnen das Fürwahrhalten im Herzen, und in der Frage des qadar lehren sie, die Fähigkeit des Menschen habe keinen Einfluss auf seine Tat, die er nur „erwerbe“ (kasb). In anderen Fragen stimmen sie mit den Ahl as-Sunnah überein, etwa beim Glauben an die Dinge des Jenseits, bei der Rangfolge der Gefährten und beim Verbot, sich gegen ungerechte Herrscher zu erheben (al-Mausūʿah al-Muyassarah fī l-Adyān wa-l-Maḏāhib wa-l-Aḥzāb al-Muʿāṣirah 1/83–90; Ibn Kaṯīr, Ṭabaqāt aš-Šāfiʿiyyīn, S. 210). Ibn Taymiyyah betont, dass al-Ašʿarī selbst und die führenden unter seinen frühen Anhängern die überlieferten Eigenschaften bestätigten und sich nicht auf die sieben beschränkten (al-Mustadrak ʿalā Maǧmūʿ al-Fatāwā 1/84); die Beschränkung auf sie ist also eine Entwicklung der späteren Ašʿariten. ↩︎